Einer an der Leine

Das Familienrudel: Einzeln gut erzogen. Aber wehe, ein Häslein oder Rehe hüpfen ihnen allen vor Nase oder Augen.

Wieder mal leben wir einen Kompromiss. Der besteht darin, dass – vorerst-  einer der beiden Cocker Spaniels und/oder die große alte Riesenschnauzerin an der 8-Meter Flexi läuft, sobald wir alle in freier Landschaft unterwegs sind. Immer hübsch wechselweise. Wegen der Gerechtigkeit. Denn  keiner unserer drei Hunde würde bei einem lauthals gebrüllten Plaaaatz! seine Hatz auf ein eben aus dem Gras gehupftes Häschen unterbrechen, wenn die anderen auch mitmachen.  Jeder einzeln schmeißt sich aber auf den Acker, sobald dieser Befehl ertönt.

Darja und Bruno auf Ausguck. Kommt da was? Als Stöberhunde gehen sie aber gern der Nase nach.

Nun könnten sich ja Halter nur eines oder nur kleiner Hunde durchaus damit beruhigen, dass ihr kurzbeiniger Liebling da draußen nix wirklich erjagen kann. Deshalb war ich früher auch relativ entspannt, wenn ein Wuff unterwegs mal zum fröhlichen Spurt auf Krähen oder Urlaubsmöwenze ansetzte. “Die lachen den doch aus”, hab ich gedacht.
Aber ein hündisches Doppel oder gar ein Trio: das ist noch mal ne ganz andere Nummer. Und eine gefährliche Kombination. Die mit kurzen Beinen haben eine vielleicht die Supernase und Ausdauer, die mit den langen Beinen Weitsicht und Spurtstärke. Und alle miteinander bilden – sobald ein Häschen in Sicht ist oder Rehe auf dem Acker springen – dann eine eigene Jagdgemeinschaft.

Hier muss Bruno im Wald bei Beilstein an der Leine gehen,
während Hopsi und Darja die braven Supermädchen geben.

Wer schon mal erbost oder verzweifelt allein in der Landschaft gestanden hat, während fröhliches Hetzkläffen aus dem fernen Wald schallte, der kennt die Skalen von Angst bis Zorn, die man dann binnen Minuten durchleidet.  Und die Horrorszenarien, die im Kopfkino laufen. Es könnte ein Jäger kommen und die wildernden Hunde abschießen. Es könnte ein Reh in einen Wildzaun springen und ihnen zur Beute werden. Es könnten die Wölfe aus dem Oberwald kurzen Prozess mit der unliebsamen Konkurrenz im Busch machen. Oder die ausgebüchsten Cocker verursachen bei der Rücküberquerung einer Straße einen Autounfall mit mehreren Verletzten.
Das alles kann auch passieren, wenn nur ein Hund ohne Herrchen jagen geht. Aber den könnte man mit Antijagdtraining und guter Erziehung draußen noch an der unsichtbaren Leine laufen lassen. Funktioniert bei uns übrigens auch, wenn wir nur mit einem Hund unterwegs sind, oder vor ihnen nur ein Dummy statt echter Beute auf der Wiese hüpft, Weil es aber in Kombination von mindestens zwei Hunden, passendem Jagdwetter und echter “Beute”nicht mehr funktioniert, ist die Freiheit nun eingeschränkt.
Vorerst. Interessanter Weise wirkt bei uns ein Rudelmitglied an der Leine wie eine Bremse. Die anderen entfernen sich nicht mehr so weit und ihr Gehör funktioniert besser. Einer an der Leine ist also ein Kompromiss, mit dem die Hunde und ich leben können.


Immerhin gibt es genug Hunde,
die ihr Leben lang und
überall an der Leine
laufen müssen. 

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