Was koche ich heute? Und warum?

Tolle Sachen kann man zaubern. Wenn ein paar Zutaten in Haus oder Garten vorhanden bzw. beim Metzger oder Jäger des Vertrauens oder im Kräuterladen gekauft worden sind.

Wer gern kocht, für den gibt es heutzutage alles. Und zwar alles zu allen Jahreszeiten. Selbst zum provinziellestem Supermarkt werden exotische Früchte und argentinische oder neuseeländische Fleischstücke geflogen. Und ja – ich genieße das zuweilen. Koche dann Inkareis und streue dort echten und teuren Safran rein. Oder bestelle mir via Internet mal spezielle Soßen oder Zutaten. Aber abgehobene Kochwettbewerbe im Fernsehen? Nee, die gucke ich nie. Und für ausführliche yoube Kochanleitungen oder die produktgestützten Werbemucken von Influenzern opfere ich meine Zeit und die Kochlust auch nicht.

Beim Rühren in Töpfen ist es aber wie im sonstigen Leben. Man kann ganz traditionell heran gehen und nach Omas Art den Braten mit handgemachten Klößen zaubern. Oder gerade als modische und gesunde Wundermittel propagierte Zutaten und Gewürze wie Chiasamen, Flohsamen, Kokosöl, Sojasprossen usw. zu lebensverlängernden und verschlankenden neuen Gerichten anrühren. Oder einfach einen elektronisch gesteuerten High-tech-Topf kaufen, der dann gefälligst die Rouladen mit Rotkraut und Klößen nach Programmierung selbst machen soll. Und das fünfte “oder“? Da wären da noch überzeugte Vegetarier, Veganer, die Bio-Fans usw. Aber auch all jene, die mit wenig Lohn und üblichen Ausgaben aus billigsten Sachen noch etwas Schmackhaftes zaubern müssen, weil sich halt nicht an der Miete, aber am Essen noch paar Cent sparen lassen.

Ich kann mich gut an 35 Jahre zurück liegende Zeiten erinnern, in denen der Monat noch lang, aber das Geld schon alle war. Da hab ich auch mit Farbe, Süßstoff und massig Wackelpudding vor den Kindern kaschiert, das Schmalhans Kücheneister war.

Ja, auch so was kommt bei mir gelegentlich in die Pfanne und auf den Tisch. Wurde nicht in Neuseeland oder Argentinien als Steak gemästet von dort über den halben Globus in unsere Tieflkühltruhen gekarrt, sondern hat bei mir ums Eck gelebt, bevor der Jäger kam. .

Kochen, das ist für mich heute lukullische Schöpfung. Jeden Tag neu. Ist Luxus und eine Kunst. So wie malen oder dichten. Deswegen kann uns alten Hobbyköchen auch und kein noch so berühmter Fernsehkoch oder Influencer kochen lehren. Die können lediglich kurz anschubsen und anregen. So wie bei mir mit Hello fresh geschehen. Diesem tollen Liefer- und Kochservice habe ich zu verdanken, fortan mit ganz wenig Öl aber mutigen (beiliegenden) Gewürzen tolle Menüs zu zaubern..

Warum ich hier ganz ohne Rezepte über Kochen schreibe? Weil tagtäglich bei meinen Nachbarn gegenüber zwischen 10 und 11 Uhr der Essensservice mit dem Fertigfutter für Oldis anrollt. Das Auto rangiert dann hastig rückwärts ran. Der Fahrer springt raus. Und mindestens zwei Stunden vorher wurde das Essen schon in die Styroporschachteln geschöpft. Und ich kann euch Mit-Oldis nur empfehlen: kocht, solange ihr das noch könnt,

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