Schwimmen im Kohleloch

Die Vergangenheit im sächsischen Dreiländereck

Nur abseits der Wege finden sich zwischen dem Zittauer Landratsamt, Hörnitz, Olbersdorf und dem Hradeker Feuchtgebiet noch einige Tafeln mit Hinweis auf frühere Kohlegruben. Dabei wurde hier überall mal Kohle abgebaut. Erst unter Tage, dann über Tage. Der Kohle fielen viele Dörfer zum Opfer. Schon vor der DDR. Wir haben hier viele Kohlegruben und etliche Kohleseen. Einer der kleinsten ist der Olbersdorfer See.

Blick auf die Stadt Zittau vom Südufer des Olbersdorfer Sees. Bis Anfang der 90-er Jahre wurde hier Braunkohle abgebaut.

Der Abbau in dem Loch endete Ende der 80er Jahre, bevor die bereits leer geräumte untere Hälfte von Olbersdorf und unsere Kleinbahn tatsächlich unter den Baggerschaufeln zermahlen wurden. Umgesiedelt an höhere Standorte waren zu diesem Zeitpunkt bereits die Lebenden des Olbersdorfer Niederdorfes und die Toten. Letztere zogen in heimlichen Nacht- und Nebel-Aktionen vom alten auf den neuen Friedhof. Die Kirchen konnten tagsüber, aber auch ohne Aufsehens weg. Wurden an neuer Stelle vom atheistischen bzw. marxistisch/leninistischem Staat oberhalb der Grube modern neu gebaut.

Die Spitze der evangelischen Kirche steht jetzt auf der Kirchbergaussicht und wirkt dort
wie eine Art Mahnmal.

Inzwischen lebt das Niederdorf wieder auf. Die Rückkehr aus der Devastierung war aber nicht leicht. Aber die Kleinbahn dampft mit Touristen fröhlich ins Gebirge. Und in der damals nicht mehr fertig gestellten Waschkaue der Bergleute verbringen jetzt Senioren ihren betreuten Lebensabend mit Seeblick. Und sowohl am offiziellen Badestrand des Nordufers als auch an dem inoffiziellen FKK- und Hundestrand gegenüber tummeln sich jede Menge Leute, die schon gar nicht mehr wissen, was für ein staubig- schwefliges Dreckloch es an Stelle dieses fischreichen und klaren Sees vor 30 Jahren noch hier mehrere hundert Meter in die Tiefe gähnte.

Meine beiden Cocker und ich genießen an heißen Tagen oft die Abkühlung am Südufer des einstigen Tagebaues.

Aber am Ufer gegenüber, da gibt es auch noch nen richtigen Badestrand mit Sportanlagen, Flanierwegen, offiziellem FKK, Parkplätzen und Verpflegung. Mit Dingen, die nach der Landesgartenschau 1999 geblieben oder danach entstanden sind. Besonders toll finde ich, wie sich der Campingplatz entwickelt hat. Anfangs kein Strauch und kein Baum, nix für Kids und irgendwie immer so bissl Baustelle zwischendurch. Aber jetzt ist es schön dort – auf beiden Seiten des ehemaligen Kohlelochs. Kommt einfach mal vorbei: https://www.seecamping-zittau.com/

Ach ja, und ich hab ja als eher nur noch relaxender Oldi das touristisch sportlichste Event am O-See vergessen. Jedes Jahr im August toben hunderte Spitzensportler aus aller Herren Länder triathletend durch und um den See sowie ins Gebirge und halsbrecherisch zurück. Wollt ihr auch mal? Na dann: https://www.o-see-challenge.de/

15 Antworten auf „Schwimmen im Kohleloch“

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