Kleine Freuden bei großer Hitze

Oder wie schön das Dorfleben bei über 35 Grad sein kann

Ja Leute, ich betreibe Schleichwerbung. Fürs Dorfleben. Immer wenn ringsum und lauthals die Vorzüge urbanen Wohnumfeldes angepriesen werden, stelle ich mir die Stadtwohnung bei Temperaturen wie sie genau heute – am 26.Juni 2019 – herrschen, vor. Eine oberhalb kochender Asphaltschluchten. Wo Fenster aufreißen selbst nachts nix nützt und statt heißer Luft immer noch heiße Luft mit Abgasen hereinkommt. Und wenn Städter dann dem drohenden Hitzetod an irgendeinem Gewässer, ins Freibad oder in einen Park entfleuchen wollen. Da sind dann schon Tausende vor ihnen da.

Ganz anders hier am Olbersdorfer See. Zehn Minuten Fahrt aus dem Dorf. Dann können wir Hundefreundinnen mit Hunden nach Herzenslust im klaren Wasser schwimmen und relaxt picknicken.

Für mich ist Wasser (ohne Chlor und Menschenmassen) zum Abkühlen oder vorbei Wandern eines der größten Vorzüge des Provinzlebens geworden. Auch mein 300 Jahre altes winziges Häuschen gewinnt mit seinen 48-er Mauern drastisch an Wohnwert, sobald sich die Meteorologen wie derzeit in hektischen Warnungen vor weiteren Hitzewellen überschlagen. Denn anders als in Städten, kühlt sich bei uns die Luft auch nach heißesten Tagen nachts wieder ab. Es gibt nämlich noch Grün ringsum. Momentan zeigt mein Fensterthermometer draußen 37 Grad im Schatten, drinnen nur 24 Grad. Ich tippe also bei angenehmen Temperaturen gerade am runden Tisch für euch kluge Sätze über heiße Tage auf dem Dorf.

Allerdings sind alle fünf Stubenfester im alten Haus mit Hitzeschrollos verdunkelt. Erst nachts – egal was der Kachelmann sagt – werden im ganzen Häusle die Fenster auf Durchzug geschaltet.

Ja und dann gibt es noch kleinere sommerliche Glücksfälle. Wie den heute gefundenen und nach Sonnenbewegung klug ausgewählten Parkplatz in der Provinzstadt, wenn ich zum Arzt antrete. Bei dem herrscht im Wartezimmer dieser Tage allerdings auch ziemlich dicke Luft. Vielleicht sollte ich demnächst mal Schnappatmung vorführen. Müsste dann nicht mehr trotz Bestelltermin zwei Stunden sitzen. Oder er investiert in eine Klimaanlage. Über die wir ja wohl alle nicht mehr rumkommen.

Und das ist ne ganz kleine Sommerfreude: ein kostenfreier Parkplatz im Schatten!

Also ihr bedauernswerten Großstädter, die ihr zwar Eisdielen an jeder Ecke habt und aller zehn Minuten mit der S-Bahn fortkommt. Ich beneide euch im Winter wieder. Jetzt jedoch finde ich den See, das kühle alte Häuschen und die Chance auf nen schattigen kostenfreien Parkplatz lebenswerter. Ach ja – und unsere Hunde müssen nicht nur auf heißem Asphalt tanzen. Sie finden hier genügend Wiesenränder.

2 Antworten auf „Kleine Freuden bei großer Hitze“

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