Unsere Mieze auf den letzten Metern

Wer alte Tiere hat, muss rechtzeitig an deren Ende denken

Jeden Morgen schreit die stocktaube und uralte Miez kurz nach 6 Uhr laut im oberen Flur herum. Nach Futter oder nach uns. Dann freue ich mich. Sie lebt also noch. Und das, obwohl sie schon an die oder gar über 20 Jahre alt ist. Kismet ist nur noch ein Schatten jener Katze, die bereits die Vorvorgänger der jetzigen Hunde durchs Dorf begleitete.

Ihr Fell glänzt nicht mehr und sie ist nur noch ein Leichtgewicht, das nicht mehr aus dem Haus gehen mag.

Wenn Tiere alt werden, geschieht das unmerklich. Man muss schon genau hinschauen, um zu bemerken, dass Katzen beim Sprung aufs Fensterbrett nicht mehr einen lockeren Satz machen, sondern den Umweg über ein Regal nehmen. Dass sich Hunde sich nicht mehr zu jedem Spurt auf provokante Rabenvögel verleiten lassen. Und wir Menschen merken meist erst ziemlich spät, dass sie wenig oder nix mehr hören. Das Schwinden der Sinne und die Schmerzen in den Knochen versuchen sie nämlich zu überspielen.

Kismet in jüngeren Jahren. So werden wir sie mal in Erinnerung behalten.

Ähnlich wie alte Menschen schätzen auch alte Tiere ihre Ruhe, gewohnte und bequeme Plätzchen, eine sichere häusliche Umgebung und Regelmäßigkeit. Unsere Oma bekommt zwar nicht fünfmal täglich Futter und Leckerchen bis vor die Nase getragen, aber es darf dann schon mal ein Teelöffelchen Fisch oder ein Krümchen Pute sein. Oder magst du vielleicht Joghurt, Kismet? Überall stehen Höckerchen als Katzentreppen. Außerdem gehe ich ihr beim Streicheln durchs Fell. Betaste kurz Ohren, Kiefer, Hals und Körper. O.k. – sie zuckt nicht. Was noch nichts heißen will. Tiere sind evolutionsbedingt Weltmeister im Überspielen von Unpässlichkeiten. Aber so lange Kismet nicht zuckt und nicht von Schmerzen gepeinigt wird, so lange packe ich sie auch nicht in die Box, um beim Tierarzt noch Hilfs- oder Wundermittel für vielleicht ein paar wenige weitere Lebenswochen zu erwarten. Denn anders als für Hunde bleibt für Katzen ein Tierarztbesuch lebenslang Stress. Geht man doch mit ihnen nur zum Tierarzt, wenn es Not tut.

Hier wird die noch taffe Mieze von ihren Mitbewohnern – den zwei Cockern umzingelt.

Der Vorteil der Tiere gegenüber uns Menschen ist, dass wir für sie über ihr Lebensende entscheiden können. Der Tierarzt kann Leiden abkürzen. Nur wann sind wir Besitzer denn bereit, sie auch gehen zu lassen? Das ist unsere ganz große und schwere Verantwortung. Wer wie wir viele Tiere hat und schon immer mit Vierbeinern lebte, musste schon oft entscheiden und immer wieder mal Abschied nehmen. Und immer wieder ist es anders. Mal wird dem Krebs mit ner Spritze das Ende gesetzt. Mal rätselten Tierarzt und Besitzer während das Botulismus-Bakterien- Gift über Tage einen Hund qualvoll umbrachte.

Unsere uralte Kismet, die darf wahrscheinlich einfach so an Altersschwäche bei uns daheim sterben. Wir werden es aushalten, wenn sie nicht mehr fressen mag und vielleicht nur noch bis zum Katzenklo taumelt.

Aber leicht ist das nicht

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