Omas in der Schnäppchenfalle

Aber einem geschickten Verkäufer sei dennoch Respekt gezollt.

Es geschah an einem sonnigen Herbsttag. Mit den Badetaschen über der Schulter und nach sechs Saunastunden völlig relaxt schlenderten wir – drei Frauen – aus der Rappsodie Bad Rappenau zum Auto. Hinter dem plötzlich ein kleines, blaues, altes Vehikel stoppte. Heraus sprang ein in jeder Hinsicht unscheinbarer Mann. Und fragte, “Kommt ihr aus dem Bad? Ja? Dann hab ich was für euch!”

Und das hatten wir dann zehn Minuten später für einen Zehner.

Ein Geschenk wäre das, speziell für alle Badegäste und nur heute. Dann klappte der “Verschenker” seinen Kofferraum auf und wartete, bis wir uns neugierig um selbigen scharten. Meine Tochter schwor später Stein und Bein, dass die Schnäppchengier in meinen Augen schon da weithin zu sehen gewesen sei. Leugnen kann ich das leider nicht. Obwohl wir Ossis die Martschreiermaschen ja nach der Wende auch kennen gelernt haben. Langer Rede kurzer Sinn: nach sechs blitzschnell in Beuteln versenkten Duschbädern und Seifen kreierte das Verkausgenie den Höhepunkt der kurzen live-Show: ein tolles Parfüm. Nur das müssten wir mit einem kleinen schlappen Zehner bezahlen. Alles andere? Geschenkt.

Als wir daheim ankamen, stellten sich 60% der “geschenkten” Duschbäder und Seifen sowie das teure Parfüm als Männersachen heraus. Waren wir also im Tiefflug auf einen jener Verkäufer reingefallen, die sogar Eskimos Kühlschränke andrehen könnten.

Lieber unbekannter Verkäufer! Hut ab vor deinem Geschick! Und ein goßes Dankeschön, dass dass du uns nur Seife und keine Kaffeefahrt-Matratzen angedreht oder dich als unseren Enkel ausgegeben hast.

Zur Weinlese im Schwabenland

Zwei Omas und ein Hund auf Erlebnisurlaub

Alles im Leben macht der Mensch zum ersten Mal,. Egal wie alt man ist: Es kommt immer noch manches erste Mal. Frau Nachbarin und ich sind dieses Jahr quer und schräg durch Deutschland gefahren, um unsere persönliche Premiere einer Weinlese zu erleben.

Gut, wer bei der Lese auf Nachbarn und Verwandte zurück greifen kann. Denn es wird für Weinbauern immer schwerer, bezahlte Helfer zu finden.
Für die Lesehelfer sind scharfe Scheren und Eimer das wichtigste Arbeitszubehör.

Und die Helfer müssen in den Lesewochen flexibel und manchmal förmlich auf Zuruf geordert werden, Denn wer seine Trauben teilweise noch von Hand und nicht nur mit dem Vollernter liest, der muss nach Ansage seiner Genossenschaft an bestimmten Tagen bestimmte Sorten anliefern.

Hier fährt der Winzer mit dem vollem Traubentransporter aus der Zeile. Der wird dann in die größeren Zuber gekippt.

Eingewiesen ins Handling mit Schere und Eimer haben Frau Nachbarin und ich erst einmal durchs Weinlaub hindurch zu den erfahreneren “Kollegen” hinüber gelinst. Immer wieder hatten wir gehört, dass die Zeit der Lese nicht nur eine arbeitsreiche, sondern auch eine der vielen Worte ist. Über Gott und die Welt wird geschnattert. Unser Mundwerk bewegte sich zwar noch nicht so schnell wie die Schere, aber das lag nicht an Themenmangel, sondern an fehlender Routine. Wir haben den anderen auf die Eimer und Finger geschaut. Und ja – nach anderthalb Hangstunden haben wir Anfängeromas zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie sich der Körper bei der Lese auf richtigen Hanglagen, an 30-Grad-Tagen oder nach sieben Stunden anfühlen könnte.

Meine Frau Nachbarin plant schon einen weiteren “Leseurlaub” für das kommende Jahr. Die weißen Handschuhe trägt Elke übrigens nicht, weil sie besonders vornehm ist, sondern weil die Trauben des Acalon sehr färben..

Trotzdem wollen wir beiden Altsächsinnen nächstes Jahr wieder in die familiären Weinberge.. Die Winzer legen übrigens von Januar bis Oktober immer wieder Hand an. Ich hatte als bekennender Weintrinker bis zum 60. Lebensjahr keine Ahnung davon, wie viel Arbeit im Wein steckt. Erst seither hochachte ich einen guten Tropfen aus würrttembergischen Bergen.

Schwarzriesling oder Dornfelder? Den Trauben sieht man nicht an, zu welchem Wein sie später werden. Und sie schmecken auch bei Hunderunden und beim Arbeiten im Weinberg total lecker.