Greta und die Mockritzer Streuobswiese

In der Dresdener ex-Gartenlandschaft ist seit April wilde Wüste

Es geht heiß her in dem goldenen September 2019. An der schwedischen Greta und dem so halbherzigen Klimapaket der deutschen Regierung scheiden sich gerade heftig unsere Geister. Die großen Politik-Player lassen heftig twittern oder you-tuben. In den sozialen Medien fliegen derweil die Fetzen bis weit unter alle Gürtellinien. Doch wie sieht es eigentlich drei Treppenstufen tiefer, bei uns vor der Haustür aus? Und oberhalb meines eigenen Verbrauchs an Plastikverpackungen oder des Klopapiers aus Tropenholz. Oder des Burgers aus Gen-Soja? Ich habe seit Februar bei Besuchen in der sächsischen Landeshauptstadt immer wieder ein Beispiel vor Augen.

Flatterband und zerbröckelnde Gartenlauben. Wo voriges Jahr noch Kohlrabi und Rosen wuchsen, ist immer noch eine Wüstenei am Dresdner Stadtrand.

Und zwar auf meiner Hunde-Gassi-Morgenpiste. Dort räumten schon voriges Jahr murrend gekündigte Pacht-Kleingärtner ihre Areale. Dort kreischten im Februar und März laut Kettensägen. Ein Häcksler blies weithin sichtbar die Reste alter Obstbäume hoch und weg. Männer rollten überall die Maschendrähte zusammen.

Hier, so erzählten Anwohner, sollen bald attraktive Eigenheime an einem attraktiven Standort entstehen. In einer Stadt, die vor Jahren fast 50 000 eigene Wohnungen verkauft hatte, um ihre Schulden tilgen zu können. Immerhin: Bisher ist die neue Wüstenei bei Mockritz noch kein Bauland. Das städtische Umweltamt erschien und stoppte im Frühjahr den Kahlschlag. Eine Bürgerinitiative gründete sich und lief Sturm. Die Stadt stellte klar, dass der neue Eigentümer der alten Gärten und Streuobstwiesen wieder anpflanzen soll, was er abholzen ließ.

Stand Oktober 2019. Außer einigen aufgehängte Verbotsschildern und ausgedruckten Artikeln (auch meinem Blog) der Bürgerinitiative wächst gerade mehr als nur Gras über die Sache.

Wie wird das wohl dort weiter gehen? Eigentlich sollen – so die Auflage der Stadt – die geschredderten Bäume noch in diesem Herbst wieder ersetzt werden. Eigentlich müsste der Eigentümer auch mit mehr als nur Flatterbändern und Verbotsschildern sein Eigentum sichern. Und eigentlich dürfte er diese bisherige grüne Luftschneise für die Großstadt im Elbtal sowieso nie mit Häusern zubauen.

Aber!!! Warten wir es mal ab. Wer wird den längeren Atem haben? Zum Beispiel, wenn die wilde Wüste als optischer Schandfleck zum Ärgernis wird. Fragt man Hundespaziergänger und Anwohner, gehen die Mutmaßungen weit auseinander. Bestimmt wird der Eigner irgendwann mit viel Geld doch noch zu einem Vergleich kommen und doch noch bauen. Oder aber er verkauft das Gelände an einen, der längere auf Genehmigungen warten kann. Tja ist bissl wie bei Greta, das Ideal ist groß aber die Wege dahin oft streitbar.

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