Bruno beim Friseur

. . . oder warum die Oma nicht mehr selbst Hand anlegt

Der sonst so fesch-spritzige Cocker Bruno schrumpft auf Jack Russel-Größe zusammen, sobald wir uns Romys Salon in Hirschfelde nähern. Das geschieht aller zwei Monate. Man sieht dem Opa dann förmlich an, was er denkt. “Oh nee, nicht schon wieder?!” Aber dann lässt er die Verschönerungsprozedur – einmal Scheren und Schneiden ohne Waschen bitte – doch ganz brav über sich ergehen.

Das dauert länger. Also macht es sich Brummelbruno bequem. Romy hat ihre Kundschaft auch ohne Anbinden, Meckern und Stehzwang in Griff.

Ich sitze derweil relaxt in dem Ledersessel und lasse mich von Romy während des Zuschauens nebenbei übers Barfen oder die Unmöglichkeit aufklären, bei einem kastriertem Cocker mit eben leider durch die Kastration explodiertem Fell diese Veränderungen irgendwie rückgängig machen zu können. Letzteres hab ich zwar mit Kämm-Orgien, diversen innerlichen und äußerlichen Ölen sowie stundenlangem Herumschnippeln an Brunos Teddyplüschfell alles schon jahrelang probiert. In der großen Equipmentkiste zeugen verschiedene Scherköpfe, zwei teure Schergeräte, diverse Entfitzungskämme, Messer und Scheren, Effilierscheren u.a. von den immer wieder gestarteten Versuchen, Brunos Pelz selbst Herr zu werden. Außerdem habe ich ellenlange you-Tube-Anleitungen geguckt, in Foren gelauscht und Cockerzüchter ausgehorcht.

Er ist geschafft. In jeder Hinsicht. .

In den vergangenen zwei Jahren dauerte es zunehmend länger, dem hübschen Jungen eigenhändig einen halbwegs ansehnlichen Formschnitt bzw. eine geländetaugliche Schur zu verpassen. Wer seinem Hund dabei mal in die Ohrfalte geschoren oder zwischen den Krallen ins Fleisch geschnitten hat, der weiß: Nicht der Hund, sondern der “Möchtegernfriseur” lebt danach mit dem bleibenden Trauma. Da Rentneraugen mit der Zeit nicht schärfer und Arthrtitisfinger nicht mehr beweglicher werden, haben wir uns beide: Hund und Mensch -zunehmend gequält.

Ich bin jedenfalls inzwischen heilfroh, bei der jungen Hundefriseurin im Sessel sitzen oder nach dem Einkauf aufschlagen zu dürfen. Zum Alter gehört auch, zu erkennen, was man nicht mehr selbst machen kann.

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