Verlorene Handschuh statt Hasen

… oder wie sich Oma für ihre Cocker um Jagdersatz müht

Dieser Tage habe ich mal wieder einigen großstädtischen Cockern zu-oder nachgeschaut. Wie sie da so wunderschön frisiert, pieksauber und freundlich wedelnd gediegen durch Parkanlagen wandeln. Meine Cocker sind selbstredend ebenfalls wunderschön und freundlich. Und zumindest die Dame Darja kann auch total vornehm wandeln. Aber ansonsten wissen die zwei Halbhohen auch, dass es spannenderes gibt, als mit mir Oma dreimal täglich brav ums Eck oder um drei Ecken zu gehen, damit ich meine 10 000 Schritte und sie ihren Auslauf schaffen. Sie sind gezüchtete Stöberhunde, die Jägern das Wild aus Schilf oder Dickung hoch und vor die Flinte zu treiben hatten. Eigens dafür sind diese zig verschiedenen Spaniels gezüchtet worden.

Mein Cockerdoppel – denen muss man keinen Pullover stricken oder Glitzerhalsbänder kaufen, um ihnen was Gutes zu tun. Denen muss man Aufgaben geben.

Also ist mindestens eine unserer täglichen Runden nicht so ein lala Gassigehen schlechthin, bei dem der Hund sein Frauli oder Herrchen einfach an und um seine “Stammbäume” führt. Nein, wir spielen unterwegs manchmal Jagd. Mit Fährtensuche nach verlorenen Dingen. Oder durch “Speed controll”, wenn die Cockerchen zwar das Leckerli oder den Ball schon ins hohe Gras fliegen sehen, aber erst nach gefühlten Ewigkeiten und manchmal getrennt suchen gehen dürfen.

Der Brummelbruno mit meinem Klapsband. Er hat es gefunden. Für den Opi muss man es etwas leichter machen.
Darja mit meinem Handschuh. Den habe ich eigens für diese Supernase einen halben Kilometer vorher unauffällig “verloren”.

Die Hunde sind immer stolz, wenn sie je nach ihrem persönlichem IQ und ihrem Charakter die diversen Such- und Bringaufgaben bewältigen konnten. Und ich versuche, ihnen solche Erfolge zu ermöglichen. War mal der Wind zu steif oder die Ablenkung zu groß – dann gehen wir halt wieder ein oder zwei Etappen zurück, damit es den Erfolg gibt.

Dass immer mal was schiefgehen kann, darüber schreibe ich hier nicht ganz so gern. Habe es aber schon mehrfach tapfer getan. Denn wenn etwa ein Rehlein oder Häschen vor uns irgendwo aus dem Graben springt, stehe ich kurzzeitig blöd da. Dann sind die beiden Cocker – sofern beide gerade unangleint – kurzzeitig weg. Sie kriegen zwar keine Rehe, aber sie finden das Jagen toll.

Stöberhunde in ihrem Element. Gut wenn es da Omas versteckte Dinge sind, die “erjagt” werden sollen.

Nun teilen sich ja wie bei fast allen Hundethemen deren Menschen sowie diverse Trainer oder die Rat gebenden Fachleute in zum Teil unvereinbare Lager. Nehmen wie mal die jagdlich gezüchteten Hunde. Die einen warnen vor jeglichen Jagdspielen, damit man gar nicht erst die sprichwörtlichen Geister ruft. Die anderen befürworten eine gezielte Kanalisierung des Jagdtriebes durch entsprechende Alternativ-Aufgaben und jagdähnliche Beschäftigung.

Zu denen zähle ich mich. Auch, wenn dabei immer wieder mal was schief geht. Und wenn ich etwas jünger wäre, dann würde ich gern das mit meinen Hunden machen und sie als Rettungshunde verlorene Leute suchen und finden lassen. Eine sehr sinnvolle Aufgabe für Halter wie Hunde. Denn Hunde brauchen Aufgaben!!!

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