Oma auf Kriegspfad

. . . oder wie ich Ärgernisse inzwischen weiter leite

Also gleich verfasse ich eine mittelschlechte Bewertung. Für einen Fotobuchanbieter. Für viel zu späte Lieferung und umständliche Gestaltungs-Software. Die Firma überzieht mich täglich mit Werbung. Das nervt. Und weil sie jetzt sogar noch wissen will, wie zufrieden ich mit dem dem ersten und einzigen Fotobuch gewesen bin., ja sollen sie ihre Antwort bekommen.

Zur wild schwertschwingenden Frau kann man auch als zorniger Oldi werden. Allerdings sehe ich nicht so schön aus und bin nur auf virtuellen oder telefonischen Schlachtfeldern unterwegs.

Und neee – ich bin keine ständig nörgelnde und rundum frustierte Mecker-Oma!!! Aber muss als Senior auch nicht mehr dienern und ducken. Hat den Firmenstress und die Jobängste hinter sich. Das sind einige der wenigen Vorzüge des Alters. Na gut, statt dessen wollen neue und ganz unbekannte “Enkel” an die Spargroschen. Und auch seriöse, regionale und wirtschaftliche Ärgernisse können das geordnet brave Oldileben versalzen. Da wird z.B. alle Jahre wieder der Strompreis oder die Grundgebühr fürs Wasser erhöht, stuft uns die Versicherung ab XX pauschal als gefahrenrelevante und altersblöde Autofahrer hoch. Oder behauptet ein Telefonanbieter, man habe neulich telefonisch mit ihm einen Vertrag geschlossen. Jedenfalls bin ich nach solchen Schreiben oder Anrufen früher unkontrolliert und auf der Stelle wie eine V 1 durch die sprichwörtliche Decke geschossen. Habe meinem Zorn ätzend, laut und geballt auf arme kleine Vorzimmerdamen oder angelernte ausländische Hotline-Hilfskräfte hernieder prasseln lassen. Wer sich halt grad nach ´den gefühlten drei Wartestunden endlich in der Leitung erwischen ließ. Danach war zwar mein Dampf aus dem Kessel, aber auch nix geändert.

Nach Schulungen durch etliche Fernsehdokus weiß ich jetzt: Man kann als Verbraucher die neuen Medien- und deren Bewertungsportale auch klug und gut verwenden. Also lasse ich solche Ärgernisse wie Kfz-Versicherung oder Strompreiserhöhungen erstmal im Postkörbchen oder im Mailfach liegen. Einen Tag, zwei Tage oder sogar einen Monat (kommt ganz auf eventuelle Fristen an). Und dann erst ziehe ich nach Recherchen im Internet und Rückfrage im Freundeskreis das Florett. Meinen sächsischen Stromanbieter habe ich scheißfreundlich, aber mit einem Link auf die Energiemarktpreisentwicklung der letzten Jahre gefragt, wieso er mir die Preise anhebt, obwohl er die Energie doch überall seit langem billiger einkauft. Und siehe: ganz ohne Anbieterwechsel gab es neben der freundlichen Antwort gleich einen günstigeren Tarif und ein kleines Geldgeschenk,

Auch Omas lassen sich heutzutage nicht mehr alles gefallen, sondern nutzen die Medien des 21. Jahrhunderts

Da ich euch aber nicht zum Nachahmer meiner Gefechte gegen willkürliche Müll- und Strompreiserhöhungen u.a. aufhetzen will, führe ich keine Beispiele mehr an. Halt!! Eins noch. Das von chinesischen Internetshopverkäufern. Von denen neben ganz vielen guten preiswerten Sachen auch mal paar Schund und Schrott zur Schnäppchen haschenden Omi kommen.

Aber wenn man die dann bewertet, geschieht ganz Erstaunliches. Die Chinesen, die nehmen auch für 3-Euro-Artikel unsere Bewertungen todernst. Gibt man nur drei Sternen oder urteilt gar negativ, kommt das für sie einer persönlichen Katastrophe gleich. Dreimal täglich kommt dann die Bitte um Änderung der Bewertung hier an. Ich hatte mich oft gefragt, warum es im riesigen Land der Mitte wohl einem ganz kleinem Lieferer soooo verflucht wichtig ist, das ich – die kleine deutsche Oma – ihm keine fünf Sterne gebe.

Des Rätsels Lösung: In China gibt es (der selige Mao lässt grüßen) ein komplexes Bewertungssystem für Menschen und Firmen, dass fast alles umfasst und in der Wirkung schon sehr viel schärfer als google-Rezensionen oder schlechte ebay-Bewertungen wirkt. Lacht nicht darüber. Wir sind nämlich auch schon auf dem besten Weg genau dorthin. Ja, und ich gehe, seit ich das weiß, sehr überlegter und vorsichtiger mit urteilenden Bewertungen um.

4 Antworten auf „Oma auf Kriegspfad“

  1. Also diese Anregung werde ich mir auf jeden Fall merken, ich hab mich auch vor kurzem über mangelnden Service geärgert. Und schon im Auto auf der Heimfahrt gedacht, ich werde ihnen mit der Bewertung meiner Antwort auf die Situation geben.

    1. Danke für Dein Feedback, liebe Claudia. Ich lese nämlich auch immer Bewertungen. Wohl wissend und abwägend, dass es auch “getürkte” gibt. Übrigens, früher durften Arbeitgeber und Lehrer auch mal in Beurteilungen schreiben , dass jemand ständig zu spät kommt o.a.

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