Das entschleunigte Leben

. . . oder wie Oma in Corona-Zeiten zwischen Furcht und Ignoranz laviert

Risikogruppe hin oder her: noch vor anderthalb Wochen ging sie mich einen feuchten Kehricht an – diese ganze Corona-Panik. Ist doch für Omas wie mich der Kreis der Kontaktpersonden deutlich kleiner als für Bundeskanzlerin Merkel. Müssen wir Omas nicht mehr täglich mit Bahn oder Bus zur Arbeit, keine Kinder in die Schule chauffieren usw. Und dürfen immerhin noch mit dem Hund Gassi.

Kaffee trinken – aber halt nicht mehr mit Bekannten im Cafe. Aus Angst vor Ansteckung oder angesteckt zu werden akzeptieren Millionen Menschen derzeit die Freiheitsberaubungen.Foto: Pixabay,

Einkaufen im kleinen Dorfladen, die täglich mindestens 10 000 Schritte irgendwo in Wald und Feld mit dem Hund, Putzen in und ums Häusle – eigentlich hat sich ja für mich nicht mal seit dem 22. März etwas gravierend geändert. Dem Tag, als unser Ländle eigene sächsische Gebote erließ. Nach denen ich öffentlich jetzt nur noch mit einer Person zusammen stehen darf. Na gut: Abstand halten. Und ja: nicht mehr bei der Wanderung mit Hund irgendwo nett auf eine Tasse Kaffee einkehren. Und Schiet!!: auch nicht mehr schnell im Baumarkt Farbe oder Pflanzen kaufen und dann fröhlich Frühjahrsputz machen.

Mein Leben ist anders, es wurde aprupt verlangsamt und ist plötzlich bedachtsamer geworden. Die Kinder melden sich über Videoanrufe (und ich bin Euch allen sehr dankbar dafür!!). Kein Käffchen mehr mit Frau Nachbarin, sondern nur noch die Zurufe über den Gartenzaun. Die Hundetreffs bis auf weiteres ausgesetzt, dito das Gesundheitsschwimmen u.v.a.m. Statt dessen viel Zeit. Zeit zum Nachdenken. Und Zeit, mit Hochachtung an alle zu denken, die für uns weiter arbeiten. Oder die uns erheitern, die anderen helfen.

Was dieser weltweit wohl einmalige Ausnahmezustand mit Menschen macht, darüber gibt es derzeit zwar tausende Videos, Blogs, Talkrunden mit psychologische wie epidemische Mutmaßungen. Am Ende der momentanen Angst und am Schluss dieser ersten ganz großen Virus-Rundreise um die Welt nach der spanischen Grippe 1918, da gibt es vielleicht sogar einen Impfstoff. Aber für mich bleiben auch sorgende Fragen.

Wenn nämlich die Angst mit regiert . . .

. . . . dann lässt sich ein Volk ganz prima mit Verfügungen und Verordnungen in seinen grundlegendsten Freiheiten einschränken und dirigieren. Darf man nicht mehr hinterfragen, ob und was da sinnvoll ist. Druckt freiwillig eine Selbstauskunft aus, wohin man außer Haus will oder muss. Könnten Infizierte oder Quarantänisierte sogar über ihre Standortdaten via Handy dauerüberwacht werden. So, wie die Angst uns jetzt regiert, ahne ich endlich, warum vor 85 Jahren unser Volk erst ganz brav und ganz klein begann, den Angstmachern zu glauben und wie diese sie bis zum Untergang des tausendjährigen Reiches ängstlich immer noch auf “Linie” halten konnten.

Bleibt gesund und wachsam!

2 Antworten auf „Das entschleunigte Leben“

    1. Ja liebe Eda, kann ich mir vorstellen, dass die jungen Leute fragen. Fühlen sich doch eingesperrt. Wobei wir in der Provinz ja noch reichlich Ausgangsmöglichkeit haben. Bleib gesund und genieße Euer kleines selbst geschaffenes Paradis.

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