Eine alte Bankkarte ist wieder da

. . . oder wie verlorene Geldkarten und Ausweise wieder aufgetaucht sind

Die Geschichten, die das Leben für uns schreibt: die sind manchmal spannender als Ausgedachtes. Und es war eine schlimme Geschichte. Damals im Sommer vor 13 Jahren. Ich hatte der Tochter generös verkündet, ihre große Freundes-Party zum 25. zu finanzieren. Und dann vor Beginn journalistischen Abenddienstes als Beobachter der Olbersdorfer Gemeinderatssitzung schnell am dortigen Automaten noch das “Partygeld” geholt.

Nach 13 Jahren in unserem Dorfteich beim Entschlammen gefunden: ein Teil des Inhaltes der damals verschwundenen Brieftasche. NIcht das Foto ist unscharf, sondern die Karten haben unter Wasser gelitten.

Tags darauf klingelte mich schon vor sechs Uhr der Chef aus dem Bett. Die Lokführer streiken. Auch in Zittau. Also hopp-hopp Frau Redakteurin. Schnell vom Dörfle zum Bahnhof sausen und dort die durch den Streik stehen gelassenen Pendler und das Bahnhofspersonal sowie Lokführer befragen. Gesagt getan. Aber so nach zwei Stündchen meldeten sich mein knurrender Magen und Unterzucker. Da hilft nur etwas essen. Bei der ebenfalls schon von mir befragten Kioskbetreiberin des Bahnhofes dann aber die böse Überraschung. Kein Geld da fürs belegte Brötchen in der Umhängetasche.

Bestimmt in der Eile daheim liegen lassen?! Also den Chef anrufen. “Muss erst noch meine Papiere suchen, komme dann etwas später”. Denn in der Brieftasche bunkerte ich nicht nur Bares sowie Geld- und Kundenkarten, sondern auch Führerschein, Ausweis, Krankenkarte u.ä. Nichts fand sich leider danach. Weder bei der akribischen Durchsuchung des Autos, noch im Haus. Irgendwann musste ich zum Dienst. Fragt nicht, wie der Tag war. Arbeiten nur auf Halbdampf. Mussten doch nebenbei Geldkarten gesperrt, Führerschein und Ausweis als verloren gemeldet und Ersatz für Krankenkarten beantragt werden. Und als Mensch ohne Bargeldreserven unterm Kopfkissen war ich zudem nicht mal in der Lage, anderntags den Tank meines Autos aufzufüllen.

Alles war weg. Alles musste später aufwändig und teuer wieder beschafft werden. Und danach trieb mich lange die Frage um: Was ist eigentlich passiert? Wo sind Geld und Papiere verloren gegangen? Meine Theorie war lange ein Bahnhofs-Taschendieb. Und irgendwann geriet die Sache in Vergessenheit. Das Leben ging weiter. Ich habe nie danach mehr alle Papiere in eine Brieftasche gesteckt.

Hier in meinem lauschigen Oberlausitzer Heimatort Dittelsdorf fanden sich jetzt einige der seinerzeit verschwundenen Brieftascheninhalte wieder an. Vor lauter Überraschung habe ich den Überbringer nicht mal nach seinem Namen gefragt. Aber wenn er das liest oder über drei Ecken erfährt: ein Dankeschön.

Alles vergessen. Lange her. Waren halt böse fremde Bahnhofs-Diebe. Von wegen!!! Meine Brieftasche hat das heimatliche Dorf damals wohl nie verlassen. Sie ist wahrscheinlich nicht mal gestohlen, sondern nur vor oder neben dem Haus von wem gefunden worden. Und der Finder hat sich damals die 500 Euro eingesteckt und den unbrauchbaren Rest in den nächsten Teich geworfen. Mag er davon 333 Colas u..a gekauft haben. Für mich gibt es jetzt ein besonderes Happy- End!! Da bringt mir jemand aus meinem Dorf – jemand, den ich gar nicht kenne – nach 13 Jahren meine Geld- und Kundenkarten an die Haustür. Er hat sie aus einem Teich gebuddelt.

Ich habe mich lange hier nur als zugezogener Städter gefühlt. Das Dorf rund um mein Häusle, es war halt nur ein Schlafort. Es ging mich nichts an, was die Feuerwehr, der Kindergarten und der Frauenverein machten. Durch diesen Geldkartenfinder fühle ich mich nun beschämt.

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