Sonntags an der Bundesstraße

. . . oder wie Oma Verbote und Begrifflichkeiten in Corona-Zeiten sieht

Wow, wer hätte gedacht, was wir alten ex-DDR-ler jetzt als Rentner noch so alles erleben dürfen. Wir dachten, nach Wende, Treuhand, Euro und den Klimademos junger Leute kann ereignismäßig in Sachen äußerer Lebensumstände nichts mehr Einschneidenderes kommen. Aber denkste!! Jetzt ist Corona. Wenn Honecker und sein Stasichef Mielke seinerzeit auf die Idee gekommen wären, dann hätten die Covid 19 erfunden und wären zur Rettung ihrer DDR anders damit umgegangen, als Ende der 60-er mit dem Hongkong-Virus in ihrem Staat Und nein. Ich will hier weder das böse Virus noch dessen zum Teil wirklich tödlich-bösen gesundheitlichen Folgen negieren und verharmlosen.

Hier stehen Menschen sonntags am Rande der langen Bundesstraße B 96. Die Cockerin Darja und ich waren erstmals Mitte Mai dabei. Und ich werde wieder zum stummen Protest gegen einige der sinnfreien Corona-Maßnahmen gehen.

Allein familiär dividiert dieses vermaledeite Virus uns alle gerade ziemlich auseinander. Die einen finden Masken nötig oder erträglich, die anderen – ich auch – sinnlos und als eine Art Gehorsamsprüfung oder als reinen Maulkorb. Die einen möchten sich mit ihren eigenen Vorerkrankungen vor allen geschützt wissen, wieder andere fühlen sich gegängelt und überwacht. Dazu noch die verschiedenen Impfansichten und Zukunftssorgen Unsere innerfamiliäre Stimmungslage pendelt derzeit zwischen Angst, Zorn und der Überzeugung, der Staat müsse mit Verboten noch strenger agieren.

Und eigentlich Leute, sollen ja vor allem chronisch kranke und alte Omas wie ich und meine Nachbarn ringsum vor dem Virus geschützt werden. Uns fliegen schon seit Monaten täglich neben Schreckensmeldungen der Medien und der Virologen ganz neue Begrifflichkeiten wie : Durchseuchung, Reproduktionszahl, Herdenimmunität, Allgemeinverfügungen, Seuchenschutzgesetz, Mund- Nasenbedeckung, soziale Distanz, Hygienekonzepte, Impfzwang usw. um die alten Ohren.

Man beachte das rechte Schild! So wird Hausrecht in Corona-Zeiten missbraucht. Wer etwa wegen Heuschnupfen niest oder sich nicht maskieren will, der, muss draußen bleiben.

Und selbst in unserer lauschig kleinen ostsächsischen Provinz, in der es seit Wochen nicht mehr einen einzigen Corona-Fall !!! gegeben hat, sind wir bei jedem Einkauf von Geboten, Verboten, Drohungen und den Wunschdurchsagen nach Kartenzahlung umgeben. Da beschließt ein teures Wellness-Hotel, Leute über 70 und/oder chronisch Kranke vorerst nicht mehr buchen zu lassen. Sehen Friseurin und Kellner aus wie die OP-Schwestern vor einer Herztransplantation. Und wer meckert, zweifelt oder gar nachbohrt? Der kriegt aber sofort die Toten aus Norditalien und schlimme Zahlen (ohne Bezug zu Tests) von anderen Ländlein um die Ohren geschlagen. Plus bitterböser Blicke.

Immerhin haben wir das hier: wunderschöne Natur. An dieser Bank am Leubener Teich bei Großhennersdorf sitze ich oft und frage mich, was sich wohl durch die neue Corona-Variante dauerhaft verändern wird .

Was hat sich nach den drei Monaten mit Corona verändert? Ich bin inzwischen ziemlich bockig und misstrauisch geworden. Tut mir leid, liebe regionale Händler, aber so lange die Maskierung bei Einkauf und Einkehr bei Euch Pflicht bleibt, kaufe ich vorwiegend online und sitze mit dem Kaffee aus der Thermoskanne und belegtem Brot lieber unter der Sonne als Vitamin D-Dusche auf der Bank am Teich als in einer Gaststätte. Und Urlaub? Den kann ich in meiner wunderschönen Heimat Oberlausitz vor der Haustür als Tagesausflug jeden Tag machen. Hier gibt es Berge, Seen und nette Leute.

Logik und Sinn vieler Corona-Verordnungen ist schwer verständlich. Warum waren erst Masken Mangelware, dann wurde jeder beliebige Lappen vor dem Mund zur Pflicht? Warum gibt man Milliarden für Lufthansa und & aus, aber Tests für alle Leute, die unter anderem in Pflegeheimen und ambulant arbeiten – die sind acht Wochen nach den ersten wilden Einschränkungen immer noch Mangelware und finanzielles Streitobjekt. Und es ist toll, wenn Firmenchefs, ein Rostocker Bürgermeister oder reiche Fussballklubs Tests selber organisieren können. Aber warum müssen sie das? Wäre das nicht die nachrangige Aufgabe jener gewesen, die uns vorher Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und den Kindern Spielplatz- und Kita-Verbot verordnet hat.

Derzeit heißt es, dass Rechte, Linke und sonstige Radikale uns Zweifler und Frager unterwandern und benutzen. Nein, die Reichsbürgerecke möchte ich nicht mit meiner Anwesenheit unterstützen. Aber manchmal tut Rückschau not. Habe ich doch selbst ganz artig in DDR-Zeiten Anweisungen Folge geleistet und selbst bei Zweifeln glauben wollen, dass alles zu unserem Besten sei. Und wahrscheinlich ist es unseren Omas und Opas vor 80 Jahren auch so gegangen.

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