Schlaflose Nächte

. . . oder was man dann so alles anpackt oder anfängt

Ich ziehe den Wecker heran: es ist gerade erst vier Uhr. Die ersten Vögel beginnen ihre Stimmübungen. Der Hund hebt zweifelnd den Kopf von seiner Matratze. Darjas Blick sagt in etwa: Ist Frauchen noch ganz dicht? Nee, nicht schon wieder vor Sonnenaufgang aufstehen!! Aber was solls, Hundchen. Wenn die Oma halt wieder nicht mehr schlafen kann. Es gehört zu den Misslichkeiten des Alterns, dass entweder das Ein- oder das Durchschlafen nicht mehr wunschgemäß funktionieren.

Und Schäfchen zählen hilft auch nicht immer. Foto: Pixabay/Gemminger

Dass Dumme ist nur: Wer nachts nicht gut schlafen kann, der hupft auch tagsüber zu völlig falschen Zeiten müde, schlechtlaunig bis unbrauchbar umher. Außerdem frustriert es, wenn man zwischen Geisterstunde und Morgengrauen mit der eigenen Matratze diskutiert. Im Kampf um durchgängigen Schlaf habe ich in den letzten fünf Jahren mindestens 100 Tipps und etliche Hilfsmittel ausprobiert. Ganz teure wie zum Beispiel andere Matratzen, andere Kopfkissen und anderes Bettzeugs. Ganz gefährliche wie Tabletten, Kräuterkekse oder Rotwein. Und “harmlose” wie Honigmilch mit Fußbad, Kügelchen, Salze und Tröpfchen aus der anderen Szene. Hat aber alles nix gebracht.

Ich habe außerdem Schäfchen gezählt und mit stoßgebetsartigem innerem “OOHHM” Gedanken weiter geschickt oder in die Zehen geatmet, sobald das eigene Gehirn nächtens zu unerlaubten Problemdiskussionen ansetzte. Leute, das ist richtig Schwerarbeit! Weil diese grauen Zellen höchstens mit höchster Konzentration auszutricksen, aber kaum zu disziplinieren sind. Ach ja – ehe ich es vergesse: Fernseher wieder an, oder im Dunklen auf dem Smartphone spielen, oder das Buch vom Abend weiter lesen, gehörte natürlich auch zu meinem “Ich will verdammt endlich wieder einschlafen!! -Programm” .

Unsere Dittelsdorfer Schullinde. In manch schlaflosen Nächten sind Darja und ich schon da vorbei gehirscht.

Denn meine neueste Strategie, die heißt Akzeptanz des Unvermeidlichen. Ich komme bei der verbissenen Suche nach Schlaf gegen mein störrisches Unterbewusstsein nämlich ebensowenig an, wie der Supermarktkäufer, der eigentlich mal was Neues ausprobieren will und doch mit bestimmten “Markern” längst zu bestimmten Marken fest konditioniert ist. Das kleine Hundchen, das muss mit mir nächtens hin und wieder durchs Dorf tippeln . Bei diesen Mondscheinrunden, da bereue ich manche Entscheidungen, schmiede (nur noch) kleine Pläne und schüttle schon beim ersten Vogelgezwitscher die Flurläufer aus.

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