Ein schlitzohriges Schlappohr

. . . oder wie sich die Oma schon mal fürs Hundesitting mit Casey wappnet

Mein kritischer Blick schweift durchs Haus. Oh, da liegt die Tüte mit den Knabbernüssen viel zu weit vorn auf dem Sideboard in der Stube. Und ein Obstschälchen auf dem Fensterbrett? Das geht ja gar nicht. Da kommt Casey locker ran, wenn sie sich auf die Hinterbeine stellt. Mir geht es gerade in etwa so wie einer kinderlosen Tante, die mal eine Zweijährige hüten soll. Denn ich soll in drei Wochen die achtjährige Hündin einer Hundefreundin hüten.

Der unschuldige Blick täuscht. Diese kleine Charmeuse hat es faustdick hinter ihren Schlappohren.

Ihr merkt schon: ich bereite mich sorgsam und voraus schauend auf diese äußerst verantwortungsvolle Aufgabe vor. Und Sorgfalt bzw. Voraussicht ist bei der seinerzeit von Hundefreundin Margit aus dem Tierheim Horka nach Dittelsdorf geholten Hündin auch angebracht. Nicht etwa, dass die Lütte schwierig im Sinne von böse oder zerstörerisch wäre. Das Mädel ist halt nur schlau und eigennützig wie alle Hunde. Naja – bissl schlauer vielleicht wie meistens die Mädels.

Als ich vor Wochen mal bei ihrem Frauchen auf den Verandastühlen hockte, hielt sich Casey länger freundlich schwänzelnd eng an meiner rechten Seite. Ich wähnte, sie wolle Streicheleinheiten. Erst als mir tags darauf zweimal das Handy ungebremst von der Jackentasche auf die Erde krachte entdeckte ich, dass die Hündin mir klammheimlich und sehr dezent die untere Naht der rechten Tasche von innen aufgeknabbert hatte, um dort die Leckerlis rausfischen zu können. Einen weiteren Beweis ihrer kriminellen Energie und Intelligenz lieferte sie beim gestrigen Hundetreff. Da gehen wir drei bis fünf Frauchen immer so mit 5 bis 7 Hunden ums Dorf. Und sitzen danach gemütlich beisammen. Im Sommer natürlich an wechselnden Orten draußen. Das draußen war neulich bei mir. Als zugegeben bissl angebender Gastgeber führte ich die Hundefreundinnen dann u.a. kurz zum Heidelbeerstrauch. Nicht länger als anderthalb Minuten. Danach waren all meine zuvor treppauf getragenen Käsebrothäppchen, Paprikascheiben und natürlich sämtliche Wurstwürfel vom Tisch verschwunden. Lediglich die geviertelten Tomaten lagen noch einsam auf dem Servierbrett herum. Margit wusste sofort Bescheid. Und guckte vorwurfsvoll ihre Hündin an. Ich weiß jetzt auch Bescheid.

Unsere Dienstagshunde – eine bunte Truppe

Und ich sitte die liebenswerte Casey demnächst trotzdem. Man braucht schließlich auch als Rentner noch Herausforderungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.