Ein dünner Mann mit Hosenträgern

. . . oder wie die Oma gerade den Gundermann für sich entdeckt

Liegt es nun an den immer wild-wirrender werdenden Coronavorschriften dieses so komischen Jahres 2020? Oder dem Regen, der seit Tagen von Osten her über meine Oberlausitz tropft? Oder ist das der alljährliche Herbstblues? Egal. Außer mit Hundchen geht derzeit kaum einer freiwillig vor die Tür. Und in der Regel können wir arthosegeplagten und lebensgestählten Senioren ja auch ganz gut mit diesen privaten Schlechtwettertiefs umgehen. Man muddelt dann halt drinnen rum. Und guckt mal Filme, die man sonst nicht gesehen und hört Musik, die man sonst nicht gehört hätte.

Hier bin ich zu Hause. Dieses Stück Heimat am Zipfel zwischen Polen, Tschechien und Deutschland hat was. Und Gundi- du dünner Mann mit Hosenträgern – hast mir mit Deinen Liedern unsere Heimat nahe gebracht.

Kannte ich den singenden Baggerfahrer aus Hoyerswerda eigentlich schon in den DDR-Jahren meiner ersten Lebenshälfte? Vielleicht. Aber nur so am Rande. An poetische und öffentlichere Liedermacher wie Gerhard Schöne oder Reinhard Lakomy kann ich mich besser erinnern. Die waren seinerzeit öffentlich bekannter. Auf diesen Gundermann mit seinen Hosenträgern und dem viel zu weitem Hemd bin ich erst wieder 30 Jahre nach der Einheit und 22 Jahre nach seinem Tod gestoßen. Da wurden der Film über ihn und die tolle Doku Gundermann Revier gezeigt. Und gerade das fand eine meiner seit langem im Westen lebenden Töchter beeindruckend.

Auch das Kraftwerk Boxberg gleich bei mir ums Eck – es gehörte zu Gundermanns Revier.

Die meint heute noch, dass uns diese komische DDR- die ja schon in ihrer Jugend untergegangen ist – u.a. geschicktes handwerkliches Improvisieren, ein Miteinander über “Standesgrenzen” hinweg und das Durchschauen bzw. Querdeuten von bloßen Worthülsen gelehrt hat. Ja, das finde ich auch. Und finde die Gundermann-Lieder auch 22 Jahre nach seinem Tod ans Herz gehend.

2 Antworten auf „Ein dünner Mann mit Hosenträgern“

  1. Hallo Angelika, G. habe ich durch meine Söhne schon Ende der 90‘iger kennengelernt! Habe Ihn mit den Jahren rauf und runter gehört – besonders bei langen Auto Fahrten höre ich Ihn oft- die Filme zu Ihm – der Spielfilm und der Dokumentarfilm diese Woche werden Ihm wohl sehr gerecht! Habe mir auch schon vor Jahren ein Konzert der Seilschaft in Berlin abgehört. Eine Truppe aus dem Westen! VG Steffen

    1. Eh und ich war seinerzeit eher auf den Schöne oder Karat scharf. Deshalb ist der Gundi meine Entdeckung des Jahres 2020. Haltet die Ohren steif im neuen Coronastress!

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