Wir beim Tierarzt . . .

. . . oder wie wir Hundehalter uns darauf ein wenig vorbereiten können

In meinen vielen Pferde-, Hunde- und Katzenhalterjahren habe ich schon in sehr vielen Wartzimmern von Tierärzten gehockt. Dort mindestens einen 911er Porsche (gebraucht freilich) gelassen. Aber was tut man nicht alles für seine geliebten Vierbeiner? Wir tun so vieles. Aber gerade einige wichtige und grundlegende Basics – unter anderem in Sachen Tierarztbesuch – leider nicht. Dabei ist es relativ einfach, einen Hund zu konditionieren. Wer das nicht mag oder kann, der sollte zumindest so etwas wie einen Tierarztknigge anstreben. Wenn Tierärzte nämlich via Aushang darum bitten müssen, dass ihnen nicht an die Blumenkübel vor dem Wartezimmer gepisst oder mitten ins Familiengehöft geschissen wird, dann ist das zum Fremdschämen. Markierend überall rumpieseln – das hat der Wauzi doch vorher daheim gelernt. Jeden Artgenossen überall anzukeifen ebenfalls.

Wir im Wartezimmer unserer Oberlausitzer Haus-Tierärztin. Darja schaut dort nie begeistert. Ist aber von klein an auf die Decke als sicheren und zu bleibendem Platz auch in fremder Umgebung gewöhnt worden. Selbst, wenn Frauchen mal aufs Klo verschwindet, bleibt die Cockerine auf der Decke.

Nun gehören Tierärzte zwar nicht zu des Cockers Lieblingen, aber jeder von uns muss immer wieder mal hin. Warum also nicht für Jung- oder Neuhunde (gerade auch für solche aus dem Tierschutz!!! ) einen Zwanziger vorsorglich opfern und mal Tierarzt üben? Ich meine, für nen Hundetrainer oder eine Hundeschule wird klaglos andauernd massig Problemlösungsgeld hingelegt. Aber man kann auch ohne Ohrenentzündung oder Impftermin zum Tierarzt des Vertrauens fahren. Dort den Wuff (ohne Not und und drohende Spritze) auf den Stahltisch lupfen, wo ihm fremde freundliche Menschen in Augen, Ohren, Maul oder Anus linsen. Und nicht fürs Stillhalten, sondern für daheim schon geübtes Pfötchen geben oder sich auf den Rücken legen bekommt der dann ein Leckerchen vom Doc. Ich habe für diese Übungen mehrfach bei mehreren Tierärzten gar nix bezahlt.

Denn es ist arbeitserleichternd und zeitsparend auch für sie, wenn es bei Behandlungen ohne Maulkorb, großes Theater oder gar Panikzustände von Hund und Besitzer abgeht. Hinterher dürfen doch alle begeistert und erleichtert tätschelnd jubeln: “braves Mäuschen, alles ist super”. Ich wundere mich überhaupt, dass Rütter oder viele andere Tier-Coaches noch nicht drauf gekommen sind, Tierarztvorbereitungskurse anzubieten.

Der Mini darf an langer Leine ums Eck kommen und will was von uns. Wir aber nichts von ihm. Solche Hunde sind in fast jeder Tierarztpraxis laut keifend zu erleben. Warum können deren Hundemenschen ihn nicht mal dort ruhig und bei sich behalten?

Die Tierärzte, die möchten freilich auch ihre zahlenden Kunden nicht verprellen. Und in 97,7, % aller Fälle werden bei ihnen ja Hund und Katz im Untersuchungsraum von ganz allein total kleinlaut. Deren Besitzer oft auch. Hinterher erzählen wir dann aber angeberisch bei den Hundefreunden herum, wie toll sich unser sonst so kampfwütiger Fiffi dort verhalten habe. Dabei hatte der nur Schiss.

2 Antworten auf „Wir beim Tierarzt . . .“

  1. Tausend Dank für diesen Beitrag (den mir Steffen Berthold weiter geleitet hatte) ! Ich bin selber Tierärztin und empfehle es fast jedem Patienten, aber leider nur die wenigsten setzten es tatsächlich um. Liebe Grüße aus Berlin

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