Prügel für Liefers . . .

. . .oder Erinnerungen an Biermann und Wandlitz in der DDR

Ich liebe ihn, den heiter-ironischen Münsteraner Tatort. Die rauchende Staatsanwältin, den kiffenden Kommissars-Papa und all die anderen eckigen Figuren. Besonders den Liefers als Prof. Börne. Ausgerechnet der fasst jetzt mediale Prügel ohne Ende ab. Sein Vergehen: Neben ihm haben es vier Handvoll Schauspieler gewagt, mit Augenzwinkern und Ironie das seit 14 Monaten mehr als misslungene und von Maskenaffären und Organisationsdebakeln begleitete Corona-Management ihrer (unserer) Regierung auf die Schippe zu nehmen. Erinnert mich ganz sehr an die DDR. Und deren Umgang mit kritisierenden Künstlern. Sagen euch Namen wie Biermann, Manfred Krug und Armin Müller-Stahl noch was?

. . . und jetzt noch die indonesische Variante. Hauptsache ihr bleibt in der Angststarre.

Damals – in der DDR – da waren es die Künstler, die lange vor den in Kirchen heimlich diskutierenden Umweltgruppen und dem Neuem Forum die Unfreiheit und staatliche Willkür in unserem Arbeiter- und Bauernstaat thematisierten. Und sie wurden (es gab noch kein Internet) ausgebürgert und/oder tot geschwiegen. Jetzt erlebe ich 32 Jahre nach dem Ende dieses Staates, in dem ich geboren bin, wieder genau so was in der Art. Wer auch immer gerade die Corona-Politik und/oder die inzwischen schon verabschiedeten Corona-Ermächtigungsgesetze mit ihren sinnfreien Ausgangssperren und dem hintertürigem Impfzwang kritisiert oder hinterfragt, der bekommt Kontra!! Entweder durch die Polizei, die selbst auf dem ostsächsischen Zittauer Stadtring Spaziergänge als illegale Aufmärsche zu ahnden hat und zu unterbinden sucht. Oder privat. In Familie. Und jeder Kritiker – ob nun ein hier vormals hoch angesehener Hochschulrektor oder ein bislang noch bestellter Zittauer Naturparkmensch – sie werden alle als Schwurbler, Leugner u.ä. diskreditiert. Für die werden gerade lauter neue abwertende und aburteilende Begriffe kreiert.

Auch für Künstler wie Liefers gibt es mediale Prügel für gewagte Kritik. Genau für diese Medienschelte muss ich mich als einstiger Medienmensch jetzt fremdschämen. Wie war das noch mal mit der vierten Gewalt im Staate? Oder – Frage an alle Juristen – mit der dritten Gewalt? Ich bin inzwischen schon zu alt, um montags auf dem Zittauer Stadtring oder sonntags an der B 96 zu protestieren. Aber ich schäme mich. Für das, was derzeit läuft.

Und ich verstehe am Ende meines Lebens jetzt, warum meine Großeltern damals brav dem Adof und meine Eltern später Ulbricht und Honecker nachgelaufen, bzw. vor denen geduckt sind.

2 Antworten auf „Prügel für Liefers . . .“

  1. Gut geschrieben, nur wird es genauso ungehört verhallen, wie all die anderen die warnend den Zeigefinger heben. Früher wie heute. Um zu verstehen was hier läuft, wie Diktaturen entstehn und Bürgerkriege, schaue sich den Film
    “Die Welle”an.

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