Heute bin ich alt . . .

. . . oder warum Oma nur noch flache Hunderunden auswählt

Da kann der Wald noch so schön und die Aussicht noch so brillant sein – wenn man erst weit bis nach da hoch marschieren muss, wird es zum Horror. Zumindest für mich. Denn bis da rauf wird die Luft schon mehrfach knapp. Und die Waden zwicken. Andere Leute nehmen ganz locker flockig diese Anstiege und warten dann dezent auf die Omi mit der Schnappatmung. Zu den besonders fitten Senioren gehört übrigens meine Frau Nachbarin. Die mit 75 noch jeden Sommer ein Stück auf dem Jakobsweg wandert und selbst nach einigen Stunden Garten- oder Weinbergarbeit in Schwaben noch paar Kilometer für ihr Wohlbefinden läuft. Bergab und bergauf. Mit so einem 6,5er kmh-Schnitt.

Nach drei heißen Stunden im Wengert geht Nachbarin Elke (Mitte) gleich noch auf Tour.

Ich hingegen bevorzuge bei den Gassirunden mit dem Cockerchen eher die Flachstrecken und mäßiges Tempo. Beispielsweise rund um den Obersdorfer See oder die Schlegeler Teiche. 3-.5 Kilometer. Das ist grad noch so ohne böses Kreuzweh hinterher für mich drin. Außer: das Wetter wechselt oder man hat kurz zuvor im Garten hantiert. Das tut hinterher auch weh. Und dann fühlt man sich alt, uralt sogar. Wenn an solchen Tagen das Telefon klingelt und jemand wissen will, wie es denn so geht, besteht die Gefahr, dass ich dem Anrufer die ganze Litanei und alle aktuell zwickenden Alterswehwehchen vorbete. Dazu gesellt sich zeitweise noch Depri. Kriegt man doch nicht mal mehr nen halbfesten Drehverschluss auf. Die Schuhlöffel werden auch immer länger. Nein!! Alt werden ist wirklich nichts für Feiglinge.

Schneckentempo – die erzwungene Umstellung im Alter will erst erlernt werden.

An solchen “Schleichtagen” mit Rückenweh und Jammerbedürfnis ist Fernsehen so gar kein Gegenmittel. Im Gegenteil. Tanzen doch über den Flachbildschirm entweder junge, knackige und vegane Weltverbesserer mit Marathonambitionen, oder kann ich mich via Werbung mit allen möglichen Mitteln entschlacken, entsäuern und sogar abspecken. Und mir mit diversen Visite-Sendungen noch paar zusätzliche Krankheiten andichten. Aber da gibt es eine Geheimmedizin.

Diese schöne Cockerine, die holt die Oma aus dem Jammertal, vom Sofa und aus Depressionen. Foto: Novela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.