Die Jagd im Spreewald . . .

. . . oder wie sich Hunde ganz prima lautlos verständigen und puschen

Nein, Darja und ich waren nicht neulich auf Pirsch. Ich bin viel zu alt und das Hundemädchen viel zu feige, um allein (Betonung auf allein!!) Rehen oder Füchsen nachzusetzen. Wir bleiben also in der Regel beide brav auf den Hauptwegen in Wald und Flur. Und die Cockerine zeigt nur mal mit erhobener Pfote und Verharren, dass da irgendwo im Busch was sei. Ausnahme: ein Eichhörnchen läuft – uns still auslachend – den Stamm hoch.

Der Wald ist für Darja immer wieder spannend und ein Fest für all ihre feinen Hundesinne.

Neulich wohnten wir paar Tage bei den Dosenöffnen des hübschen Wachtelrüdens Rocky. Die beiden lieben Urlaubsvermieter waren gerade schwer mit häuslichen Bauarbeiten beschäftigt. Wodurch sich ihr Hund total unterbeschäftigt fühlte. Sich also uns ungefragt unterwegs anschloss und auch gern mal an den von mir veranstalteten Ball- und Wurfspielen im großen Garten beteiligt hätte. Aber nein. Bei Beute jeder Art, da hört der Spaß auf. Der Ball wurde von Darja schneller gefangen und knurrend verteidigt. Ladys first halt. Rocky verstand. Und blieb dem Ball lieber fern. Ein paar Tage später erwartete mich der hübsche Braune schwanzwedelnd schon frühmorgens an der Ferienwohnungstür. Seine ganze Körpersprache sagte: komm mal mit. Ich muss dir unbedingt was zeigen. Und ja, in der hintersten Gartenecke war dann das Reh, das sein Herrchen mit seiner Beteiligung in der Halbmondnacht zuvor geschossen hatte. Darja hätte sich deren so echte Beute liebend gern auch mal näher angesehen. Aber nein, nun verstand Rocky keinen Spaß. Er stand aufgebaut davor wie einst Hunnenkönig Attila . Und so blieb auch tunlichst lieber mein Cockermädchen fern.

Hier muss Darja Abstand halten. An seine Beute lässt der erfolgreiche Mitjäger auch hübsche Mädels nicht.

Nicht nur bei “meine Beute, deine Beute” können sich kurz, klar und deutlich miteinander verständigen. Und das nicht nur im Garten und angesichts eines drei Meter weg geworfenen Plüschtiers oder eines echten Rehs. Gut, zuweilen muss der Mensch klug und rechtzeitig einwirken, um diverse Streitpunkte zu entschärfen. Aber noch viel häufiger passiert es, dass wir Hundemenschen zu spät oder überhaupt nicht bemerken, was die Wuffs wortlos und blitzschnell miteinander “besprechen”. Draußen, wo wir doch nur langweiliges welkes Gras oder Gestrüpp sehen. Und dann gehen die Wuffs – mal kurz scheißend auf die Erziehung – miteinander auf Beutezug. Ist für sie wie für manche von uns die ewig gespielte Hoffnung auf einen Sechse mit Zusatzzahl.

Wer also nicht nur einen, sondern sogar zwei Jagdhunde führen und die auch freilaufen lassen will, der sollte das wissen.

Wo einst Vollbluthengst Carolus herrschte . . .

. . . oder Omas Kurztripp in das Gestüt Lehn und eigene Vergangenheit

Auch in der DDR drehten sich viele Mädchenträume um schwarze oder weiße Hengste. Traumpferde, auf deren Rücken man all den widrigen Ebenen des Alltages einfach davon galoppieren kann. Es gab zwar hierzulande keine bunten “Wendy”-Zeitschriften, aber doch noch paar Bauern mit Pferden und sogar gute Gestüte. Eines davon – das Gestüt Lehn – befand sich in der sächsischen Oberlausitz – zwischen Löbau und Bautzen. Dort wurden bis 1990 Rennpferde gezüchtet. Vollblütige Sensibelchen. Und in den 60er und 70ern residierte dort der Rappe Carolus als berühmter Vererber. Umgeben von einigen Dutzend Stuten, seinen Nachkommen und ganz vielen jungen Mädchen, die ihren Traum vom Traumpferd leben wollten. Genau dort habe ich träumend von Traumpferden mein erstes Berufsjahr verbracht.

Die am Zügel der Stute bin ich. Hab die besuchende Mutter damals eigens für ein Foto auf eine Stute gehievt.

Dieses Jahr in Lehn, es bestand aus viel Arbeit. Um die 50 Stuten, dazu deren ein und zwei Jahre alten Nachkommen und einige Hengst wollten versorgt sein. Die Pferde hausten in Gitterboxen. Wir Mädels (zu zweit) unter dem Dach in einstigen Dienstbotenkammern des einstigen Herrenhauses. Eine vollbusige und warmherzige aus Ostpreußischen stammende Köchin versorgte uns Mädels. Früh, mittags und abends. Sie hat uns außerdem beraten, getröstet und zuweilen ausgeschimpft. Die wenigen dauerhaft Angestellten des Gestütes wie der von uns allen gefürchtete Hengstwärter, die lebten in den Dienstwohnungen gegenüber. Im Herrenhaus – erste Etage ( unter uns) residierte und wohnte nur noch Tierarzt Dr. Pietschmann. Der war eine Legende in der Oberlausitz und für Pferde. Im Winter 1969/70 ( als wir in Lehn eingeschneit und abgeschnitten waren) da hat der Pferdedoktor ein Mädchen aus dem Ort mit Veterinärmedis gegen Lungenentzündung behandelt. Erfolgreich.

Das war mal der der Park- und Hauptzugang des Herrenhauses. Schlimm, wenn es so endet.

Satte 52 Jahre nach meinem Pferde-Mädels-Jahr in Lehn bin ich dorthin jüngst nochmal kurz, ganz spontan und nach rechts weg von der B 6 schlenkernd von der Piste abgebogen. Einfach so? Nee- ich wollte meiner Frau Nachbarin mal eigene meine Jugendjahre zeigen. Und meine allererste Arbeitsstelle selbst noch einmal zu sehen.

So traurig sieht das Areal in Lehn jetzt aus. Die Dächer zusammengebrochen. , Und die grad dort stehenden Pferde sehen auch nicht toll aus.

Nein, ich will hier keine Steine auf die neuen holländischen Besitzer werfen.. Aber der Hengst Carolus würde wohl aus dem Grab aufstehen, wenn er sehen würde, was aus dem Gestüt Lehn geworden ist.