Spreewald mit dem Cocker . . .

. . . oder warum es uns dort immer wieder gut gefällt

Dem Cockerchen ist es völlig schnurz, wie weit eine Autofahrt geht. Hauptsache, sie darf mit. Ich hingegen ächze und barme schon vorsorglich, sobald mehr als 300 Kilometer bevor stehen. Das Kreuz mit dem Kreuz usw. Aber von unserer südlichen Oberlausitz aus liegt der Spreewald nur einen Katzensprung – gerade zweieinhalb Autostunden – entfernt. Außerdem müssen Omas dort keinerlei Berge hochkraxeln. Können statt dessen e-Bikes oder richtige Räder mieten. Sich in Plastekanus hieven und paddelnd auf den Wasserstraßen verfahren. Oder – ab 70+ ratsamer – sich bei einer Kahnfahrt gemütlich staken lassen und dabei was über den Spreewald erzählen lassen.

Kürbisse als Deko, das kann ja jeder. Aber so ein Viererkanu als Blickfang – das findet man nur in Byhlegure.

Na gut, selber Paddeln und strammes Radeln ist bei mir schon Geschichte. Die Schultern, das Kreuz usw. Aber es gibt trotzdem vieles zu sehen. Die tolle Slawenburg in Raddusch, das Spreewaldmuseum in Lehde, die Straupitzer Mühle u.v.a.m, habe ich schon mehrfach beschaut. Warum der Spreewald mir dennoch jedes Jahr wieder Kurzreisen wert ist? Zum einen wegen der Therme und deren Sole. Taucht man nicht nur einmal ganztags, sondern mehrfach dort unter, dann erst entfaltet das Heilwasser seine noch lange spürbare Wirkung auf Haut, Kreuz und Gelenke. Inzwischen hab ich ein persönliches Tauch- und Schwitzprogramm entwickelt. Und arbeite das bei jedem Badbesuch ab.

Abtauchen in die Sole in Burg. Das tut alten Gelenken, schmerzenden Knochen und der Seele gut.

Fürs Cockermädchen wiederum sind Frauchens genussvolle Thermenstunden eine ganz schlimme Pein. Hockt doch das arme verlassene Hundi gefühlte 101 Stunden allein in der Fremde herum. Ja, da hatten wir auch schon Verzweiflungsaktionen wie stundenlanges Jodeln oder einmal sogar Protestpinkeln. Aber für Darja und mich (und all ihre Cocker-Vorgänger) sind die lieben Spreewaldvermieter inzwischen herzensgute Freunde geworden. Selbst Hundebesitzer, horchen sie mal, ob der Hund Krawall macht. Helfen bei den “allein in der Fremde bleiben”- Übungen. Ihr Wachtel Rocky ist außerdem toller Spielpartner für Gasthunde. Sofern diese Mädchen sind. Außerdem gibt es ringsum prima Hundepisten. Die Oma mit Hund abläuft, obwohl sie nach den Badstunden völlig relaxt nur noch in der Ecke abhängen will.

Typischer Cockerblick. Wenn Frauchen sich beim Pilze suchen wieder mal verlaufen hat und google Maps braucht, um wieder aus dem Busch zu finden. Die könnte ja mich fragen.

Es gibt z.B. im Wald genug Hundefreilaufpisten im Spreewald. Man muss sie nur kennen. Bzw. – aber das ist nicht nur im Spreewald wichtig – sein Hundchen dirigieren und jederzeit abrufen können. Klein Darja meinte übrigens jüngst, die Weisung rechts oder links frei zu laufen nicht mehr zu verstehen. Prompt folgte die Strafe in Form eines heftigen Schlages. Nein, nicht von mir. Weit unten in Bodennähe hatte der örtliche Ziegenhalter einen doppelten elektrischen anti-Wolfsdraht noch außerhalb seines Zaunes gespannt. Auch Kuh- und Pferdeweiden sind dort mit vierfachen Drähten aufgerüstet.

Im Herbst wird es ruhiger im Spreewald. Und an manchen Tagen glaubt man als Schemen im Nebel Goethes Erlkönig reiten zu sehen. .

Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Spreewaldtripp. Auf die Ruhe ausstrahlende Landschaft. Die Therme und nette Menschen. Ist zwar nicht das rote oder tote Meer zwischen Wüsten, aber dafür muss für das wohltuende Salzwasser aus dem Untergrund nicht erst davon geflogen werden.

Wenn das Hundchen allein jammert . . .

. . . oder weshalb die Oma deshalb jetzt Trennungstraining machen muss

Eigentlich ist mein Cockerchen fast überall dabei. Ob in Gaststätten, beim Wandern oder im Urlaub. Seit sieben Jahren. Und es benimmt sich dabei fast immer vorbildlich. Bellt nicht, schnappt nie, zieht nicht, bettelt nicht und folgt sogar via Fingerzeig. Usw. Aber irgendwas muss trotzdem mal irgendwann falsch gelaufen sein. Ich hab es nicht mal bemerkt. Als mir beim schwäbischen Familienbesuch die mitgereiste Frau Nachbarin erzählte, das sonst so brave Vorzeigecockerchen habe in meiner Abwesenheit den halben Weiler zusammen geheult, hielt ich empört dagegen. “kann ja gar nicht sein. Das macht doch Darja nicht!!” Nachdem selbige eigens zu Testzwecken am Folgetag eine halbe Stunde allein blieb , während ich auf leisen Sohlen ums Haus geschlichen bin, fühlte ich mich bestätigt. Alles bestens, alles mucksmäuschenstill.

Die “Mutti” immer fest im Blick. Darja hat allein zu bleiben verlernt und ich habe es nicht bemerkt.

Na also! Können wir doch wieder ohne den Hund in den Weinberg helfen gehen. Gelegentlich mal zwei bis vier Stunden allein bleiben, das hat Darja schließlich von klein auf gelernt. Wenn Oma beispielsweise saunierend in Wellnesstempel abtauchte oder mit Freundin Heidi großstadtbummelte. Doch einige Tage danach wieder eine Problemansage. Ein Nachbar merkte ldeutlich säuerlich an, es sei höchste Zeit, dass jemand den jodelnden Hund aus seinem Alleinsein befreie. Nun war nix mehr zu leugnen. Irgendwas ist schief gelaufen. Aber warum kann mein Hund plötzlich nicht mehr allein sein? Und wie kann man dem Cockerchen das Alleinbleiben – überhaupt und speziell in der Fremde – wieder als etwas vermitteln, was zum normalen Hundeleben gehört?

Mit dem Zweitcocker Bruno (hinten) und der freundlichen Riesenschnauzer “Tante” Ebony von der Satansmeute teilte sich Darja über Jahre das kleine Haus, die Frauchen und das Hundeleben in einem bunten Rudel.
Zum lebenslangen Freundeskreis der beiden Cocker gehörte außerdem die Hundefreundin Kismet,

Also!!! Das Problem ist jetzt erkannt. Es ist schlichtweg Trennungsangst. Wie die zu beheben sei? Danach google und recherchiere ich gerade. Und fand u.a. einige dieser Ratschläge punktuell ganz hilfreich. Wie bei allen Dingen beim Leben mit Hunden passen sie jedoch nicht auf alle Hunde und nicht auf alle Hundemenschen. Man muss die Hilfestellungen anpassen können und dann konsequent durchziehen. Wer aber nicht grübeln und korrigieren will, kann die Sache auch einfach laufen lassen. Der Hund bleibt nicht allein – also lassen wir den armen Liebling eben nicht mehr allein. Der Hund pöbelt unterwegs – also gehen wir Begegnungen mit Artgenossen aus dem Weg. Der Hund zieht – also kaufen wir die neue Wundererziehungsleine oder das softeste Geschirr. Diese Liste ist beliebig fortsetzbar. Das Kneifen vor Problemen ist aber nicht mein Ding. Und deshalb – der Hund weiß es noch nicht – wird Darja beim Lüneburg-Urlaub zwar ganz oft dabei sein, aber auch mal ein Stündchen ganz allein ihrer großen Box verbringen. Die habe ich schon vor Wochen vom Boden geholt und bringe sie ihr schon jetzt als probaten Rückzugs-, Ruhe- und Sicherheitsort täglich nahe. Im Urlaub und bald auch wieder im Weinberg werden so hoffentlich Hundchen und Oma wieder ohne Stress zwischendurch allein bleiben können.

Aber vielleicht habt ihr ja eine bessere Lösung? Dann her damit, ich würde ich mich über Feedback und Vorschläge wirklich dolle freuen.

Wunderfutter für den Hund . . .

. . . oder wie die Oma für ihren Cocker in manche Werbefallen tappt

Nein Leute – ich glaube eigentlich nicht an Wundermittel. Solche gegen den eigenen Bauchspeck oder schmerzende Gelenke. Aber wenn es um Cockerchen Darja und deren Bauchweh geht, tappe ich mit Volldampf in Werbefallen. Schließlich ist die Hündin meine liebe- und sorgenvoll behütete Mitbewohnerin. Wie das so funktioniert , wenn man “Keine Werbung” am Briefkasten stehen hat? Nun, im fb- und google-Zeitalter übernehmen Algorithmen die Werbezustellung. Und wer einmal Hundebauchweh in die Suchmaschine eingetippt hat, dem spuckt die 1008 Ergebnisse aus. Und später schiebt sie mir zwischen vermeintlich neutralen Nachrichten und Kochrezepten für gesundes Hundefutter lauter Angebote mit Super-Antibauchweh-Produkten und – Futtermitteln auf den Bildschirm.

Das Hundchen in der Wiese – es weiß von all den Sorgen ihres Frauchen nichts.
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Der kranke Hund und mein Handy . . .

. . . oder wie Omas Cocker selbst mit Bauchweh mein verlorenes Telefon findet

Meinem Hundchen geht es seit vier Uhr schlecht. Darja spuckt. Aller Stunden quittegelben Schaum. Da gibt es für das Omafrauchen nur eine Richtung: den Tierarzt. Auf dem Weg dahin aber noch ne kurze Gassipause in der ländlichen Pampa. Schließlich wollen Tierärzte auch wissen, was hinten so rauskommt. Neben der aktuellen Kotzerei könnte ja noch was anderen diagnostisch hilfreich sein. Verhalten, Veränderungen und so. Anamese heißt. wozu sich gute Menschen- und gute Tierärzte Zeit nehmen. Da es dem Cockerchen nicht erst seit vier Uhr früh, sondern schon länger schlecht geht, es nächtens schmatzt, schleckt und schluckt, hatte ich vorsorglich und vorsichtshalber schon mal die ersten zwei Kackproben gesammelt.

Krankes Hundchen. Da fragt natürlich Frauchen Doktor google, aber dann besser noch nen richtigen Tierarzt.

Am Notfallmorgen dann die dritte wurmklärerisch notwendige Probe ins Becherchen verfrachtet. Um dann bei der tierärztlichen Nachfrage nach der telefonischen Ergebnisübermittlung festzustellen: das Handy ist weg. Findet sich weder im Rucksack noch im Auto. Also hab ich es wieder mal verloren. Aber wo? Kann ja nur vorhin auf der großen Wiese beim Bücken passiert sein, auf der wir vor dem TA-Besuch kreuz und quer umher gehirscht sind, um auf Hundekacke zu warten. Aber: Sehr hoch und ziemlich uneinsehbar sind Ende Juli überall Wiesen und Wegränder. Wie soll man wissen, um welche Grashalme genau man vor zwei Stunden gestiefelt ist und wo man sich gebückt hat? Ich wusste es jedenfalls nicht mehr.

Aber es gibt ja mein Cockerchen Darja – die als gefördertes und talentiertes Supernäschen in guten Zeiten versteckte Gegenstände, von Versteckspielen begeisterte Kinder, aber auch die beim Pilzesuchen im Wald ernstlich verlorene Nachbarin aufspüren kann. Und dieses Hundchen hat – obwohl schmerzgeplagt und vom TA gedopt – mein Handy tatsächlich im hohen Gras gefunden.

Mein tolles Mäuschen Darja. Es hat sich gelohnt, dir viele gute Dinge beizubringen. Die Euros für den Tierarzt hast du schon durch das Auffinden des Handys wieder reingeholt.

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Wein – das ist Handarbeit . .

. . .oder was wir sächsische Ostomas so in einem schwäbischen Weinberg treiben

Wengertarbeit im Juni bei 32 Grad. Schnell schießende Ranken müssen zwischen den Drähten eingestreift und fest gebunden werden. Außerdem sind Blätter auf der Sonnenseite zu “lichten”, damit die Sonne an die Beerles kommt.

Wir – Nachbarin Elke, Freundin Heidi und ich – tuckern so ein bis zweimal jährlich von Sachsen bis ins Schwabenland. Zum Besuch bei Töchtern und Enkeln, aber auch auf Dieters Bauernhof mit seinen Weinbergen. Für zwei, drei Stunden ziehen wir uns dann dem Wetter entsprechend an, lassen uns vom Winzer einweisen und mit Arbeitswerkzeug ausstatten. Ich will jetzt nicht oberschlau tun und euch Weinliebhabern auflisten, was zwischen Januar und Oktober alles beim Wein in reiner Handarbeit zu tun ist. Wir haben uns jedenfalls schon in verschiedene Hand- und Hilfsarbeiten einweisen lassen. Für alle, die noch nie in einen Weinberg Hand angelegt haben: Das ist bissl so wie Fließband bei Porsche, aber trotz immer gleicher Handgriffe eben doch ganz anders.

Zwei von der Ostrentnergang – in geborgten Gummistiefeln vor dem Weinbergeinsatz auf dem Gagernberg.

Während die Weinlese vielerorts wie ein tolles Event läuft: mit Verwandten und Freunden, die zum Helfen kommen, mit dem Pausenwagen und Flammkuchen oder dem abendlichem Ausklang mit Hauswein rund um den Grill, da läuft die viele sonstige Arbeit eher unbemerkt. Man kann aber nicht übersehen, dass immer mehr Handarbeit den Maschinen übertragen wird. Vom Binden der Ranken bis zum Vollernter bei der Lese siegt intelligente Technik über die nicht mehr bezahlbare Handarbeit. Und Winzer alten Schlages sterben auch in Deutschland darüber langsam aus. Sie müssen den wirtschaftlichen Zwängen weichen oder eben auf den Zug der Technisierung und Optimierung aufspringen. In den ersten Jahren meiner Schwabenfahrten gab es bei Dieter noch monatsweise polnische oder rumänische Betriebshelfer, die acht bis zehn Stunden stramm auf dem Wengert geschafft haben. Auch das ist für die meisten kleinen Obst-, Spargel-, oder Weinbauern längst Geschichte. Nicht mehr bezahlbar.

Weinprobe bei der Privatkellerei Kümmerle in Schwaigern. Lecker!! Erst, seit wir Omas selbst Hand auf dem Weinberg anlegen, wissen wir ganz genau, dass es für 1,99 oder 2,99 pro Liter industrielles Gesöff, aber keinesfalls so etwas wie halbwegs guten Wein geben kann.

Was für Arbeit aber in jedem Tropfen Wein steckt, bevor wir ihn ins Glas gießen, das weiß ich jetzt. Und so billig wie möglich darf es deshalb nicht sein. Ist ähnlich wie bei den Hähnchenschenkeln und Weihnachtsenten. Bei den spanischen Turbopaprika oder den zwischen Netzen gemästeten Lachsen. Man muss selbst mitgemacht und Hand angelegt haben, wie unsere Lebensmittel oder Genussmittel produziert werden.

Cirka 100 Tage nach dieser unscheinbaren Traubenblüte werden die Beeren geschnitten. Noch einmal fahren wir dann dahin.