Greta und die Mockritzer Streuobswiese

In der Dresdener ex-Gartenlandschaft ist seit April wilde Wüste

Es geht heiß her in dem goldenen September 2019. An der schwedischen Greta und dem so halbherzigen Klimapaket der deutschen Regierung scheiden sich gerade heftig unsere Geister. Die großen Politik-Player lassen heftig twittern oder you-tuben. In den sozialen Medien fliegen derweil die Fetzen bis weit unter alle Gürtellinien. Doch wie sieht es eigentlich drei Treppenstufen tiefer, bei uns vor der Haustür aus? Und oberhalb meines eigenen Verbrauchs an Plastikverpackungen oder des Klopapiers aus Tropenholz. Oder des Burgers aus Gen-Soja? Ich habe seit Februar bei Besuchen in der sächsischen Landeshauptstadt immer wieder ein Beispiel vor Augen.

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Omas in der Schnäppchenfalle

Aber einem geschickten Verkäufer sei dennoch Respekt gezollt.

Es geschah an einem sonnigen Herbsttag. Mit den Badetaschen über der Schulter und nach sechs Saunastunden völlig relaxt schlenderten wir – drei Frauen – aus der Rappsodie Bad Rappenau zum Auto. Hinter dem plötzlich ein kleines, blaues, altes Vehikel stoppte. Heraus sprang ein in jeder Hinsicht unscheinbarer Mann. Und fragte, “Kommt ihr aus dem Bad? Ja? Dann hab ich was für euch!”

Und das hatten wir dann zehn Minuten später für einen Zehner.

Ein Geschenk wäre das, speziell für alle Badegäste und nur heute. Dann klappte der “Verschenker” seinen Kofferraum auf und wartete, bis wir uns neugierig um selbigen scharten. Meine Tochter schwor später Stein und Bein, dass die Schnäppchengier in meinen Augen schon da weithin zu sehen gewesen sei. Leugnen kann ich das leider nicht. Obwohl wir Ossis die Martschreiermaschen ja nach der Wende auch kennen gelernt haben. Langer Rede kurzer Sinn: nach sechs blitzschnell in Beuteln versenkten Duschbädern und Seifen kreierte das Verkausgenie den Höhepunkt der kurzen live-Show: ein tolles Parfüm. Nur das müssten wir mit einem kleinen schlappen Zehner bezahlen. Alles andere? Geschenkt.

Als wir daheim ankamen, stellten sich 60% der “geschenkten” Duschbäder und Seifen sowie das teure Parfüm als Männersachen heraus. Waren wir also im Tiefflug auf einen jener Verkäufer reingefallen, die sogar Eskimos Kühlschränke andrehen könnten.

Lieber unbekannter Verkäufer! Hut ab vor deinem Geschick! Und ein goßes Dankeschön, dass dass du uns nur Seife und keine Kaffeefahrt-Matratzen angedreht oder dich als unseren Enkel ausgegeben hast.

Zur Weinlese im Schwabenland

Zwei Omas und ein Hund auf Erlebnisurlaub

Alles im Leben macht der Mensch zum ersten Mal,. Egal wie alt man ist: Es kommt immer noch manches erste Mal. Frau Nachbarin und ich sind dieses Jahr quer und schräg durch Deutschland gefahren, um unsere persönliche Premiere einer Weinlese zu erleben.

Gut, wer bei der Lese auf Nachbarn und Verwandte zurück greifen kann. Denn es wird für Weinbauern immer schwerer, bezahlte Helfer zu finden.
Für die Lesehelfer sind scharfe Scheren und Eimer das wichtigste Arbeitszubehör.

Und die Helfer müssen in den Lesewochen flexibel und manchmal förmlich auf Zuruf geordert werden, Denn wer seine Trauben teilweise noch von Hand und nicht nur mit dem Vollernter liest, der muss nach Ansage seiner Genossenschaft an bestimmten Tagen bestimmte Sorten anliefern.

Hier fährt der Winzer mit dem vollem Traubentransporter aus der Zeile. Der wird dann in die größeren Zuber gekippt.

Eingewiesen ins Handling mit Schere und Eimer haben Frau Nachbarin und ich erst einmal durchs Weinlaub hindurch zu den erfahreneren “Kollegen” hinüber gelinst. Immer wieder hatten wir gehört, dass die Zeit der Lese nicht nur eine arbeitsreiche, sondern auch eine der vielen Worte ist. Über Gott und die Welt wird geschnattert. Unser Mundwerk bewegte sich zwar noch nicht so schnell wie die Schere, aber das lag nicht an Themenmangel, sondern an fehlender Routine. Wir haben den anderen auf die Eimer und Finger geschaut. Und ja – nach anderthalb Hangstunden haben wir Anfängeromas zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie sich der Körper bei der Lese auf richtigen Hanglagen, an 30-Grad-Tagen oder nach sieben Stunden anfühlen könnte.

Meine Frau Nachbarin plant schon einen weiteren “Leseurlaub” für das kommende Jahr. Die weißen Handschuhe trägt Elke übrigens nicht, weil sie besonders vornehm ist, sondern weil die Trauben des Acalon sehr färben..

Trotzdem wollen wir beiden Altsächsinnen nächstes Jahr wieder in die familiären Weinberge.. Die Winzer legen übrigens von Januar bis Oktober immer wieder Hand an. Ich hatte als bekennender Weintrinker bis zum 60. Lebensjahr keine Ahnung davon, wie viel Arbeit im Wein steckt. Erst seither hochachte ich einen guten Tropfen aus würrttembergischen Bergen.

Schwarzriesling oder Dornfelder? Den Trauben sieht man nicht an, zu welchem Wein sie später werden. Und sie schmecken auch bei Hunderunden und beim Arbeiten im Weinberg total lecker.

Ein Häuschen zum Träumen

Entdeckt auf dem Neißeweg zwischen Zittau und Hartau

Jeder Mensch hängt heimlichen Träume nach. Ich hab immer vom Wohnen in einer Art kleinem ökologischen Hexenhäuschen geträumt. Einfach, im Grünen, mit Tieren und umgeben von Kräutern und Beeren. Dazu braucht man aber u.a. handwerkliches Geschick und einen gediegenen Kontostand. Aber träumen kostet ja nichts.

So sah dieses kleine Gartenhäuschen vor einem Jahr aus. Zu sehen ist es hinter einem besonderen Staketenzaun am Wegesrand des Rad- und Fußweges zwischen Hartau und dem Grenzübergang Friedensstraße.

Irgendwann hab ich auf dieser Piste dann mal den Erbauer und dessen netten Hund Bruno kennen gelernt. Und weiß jetzt: dieses Häuschen ist nur eine kleine Spielerei zwischen all seinen existentiellen Arbeitsaufträgen als Holzgestalter. Die meist weit auswärts laufen. Dort, wo die Leute nicht nur mehr Geld verdienen, sondern auch mehr Geld für Öko-Holzhäuser, eine Hanfdämmung und so weiter ausgeben. Seither gucke ich aller paar Wochen mal, wie es nun weiter geht mit seinem kleinen Hexenhäusen.

Im Juni ging es weiter mit dem Bau.

Schaut mal nach oben: das bewachsene grüne Dach ersetzt teure Dämmung. Oder kurz nach unten. Der Unterboden des Häusles befindet sich gut zwanzig Zentimeter über der Erde. Ach ja! So etwas, das wäre mein Traumhaus. Müsste nur noch bissl Platz für meine Bücher geben. Oder nebenan noch eine überdachte sibirische Sommerküche.

Da ist man mal zwei Wochen nicht vorbei gelaufen – und schon ist der Lehm dran.

Ich glaube, dass wir Menschen und die Menschenkinder in solchen Häusern glücklicher leben könnten, als in jenen moderenen Techno-Bauten, um die kein Grashalm wächst und in denen man nicht mal lüften darf. Auch Häuser haben nämlich so etwas wie eine Seele. Sie sind wie ein Organismus mit Mode- und Alterserscheinungen.

Unser Garten wird jetzt wild

Oder – vom privaten Einrichten auf den Klimawandel

Wir wohnen ländlich. Man muss da nicht jeden ins Haus reinlassen. Aber Geranien im Blumenkasten, geharkter Kies vor dem Haus und die unkrautfreien Schnittgerinne rund ums Häusle, die sind Pflicht. Sind sie doch als Außenansicht quas unser Aushängeschild. So etwa wie das eigene Profil im Internet. “Was sollen denn die Leute von uns denken!?”, lautet also immer mein Aufschrei, wenn der Löwenzahn aus jeder Ritze des Pflasters sprießt.

Foto: Pixabay

Aber da zuckt meine Mitbewohnerin nur die Schultern. Ihr ist es schnurz, was die Leute denken. Nicht jedoch, wo Igel, Würmer, Bienen, Hummeln und so weiter in Zeiten des Klimawandels Nahrung und Wasser finden. Kopfüber mit Stroh ausgestopfte und aufgespießte Blumentöpfe werden zu Insekten-Sozialwohnungen. Riesige Disteln wachsen zwischen Löwenmaul und Mangold. Und wehe, ich will mal Melde; Nesseln oder andere Unkräuter rupfen. Die sind alle heilsam oder nutzvoll. Sofort bekomme ich entsprechende Erklärungen oder Links. Allerdings auch Kräuterbutter oder Salben und Tee mit den Ingredienzien aus dem Minigarten.

Besser kann man es kaum sagen.

Wir haben uns inzwischen geeinigt: Ich hege Oleander, Oliven und den von der großen Tochter geschenkten Lavendel in Kübeln vor dem Haus. Die Mitbewohnerin rasentrimmt ihrerseits sorgsam um Bienenweidenblümeln und blühende Kräuter auf dem Hang herum. Beide bemühen wir uns dabei um viele kleine Mitbewohner.

Und wir haben dennoch Angst, dass es zu spät ist!