Wenn das Hundchen allein jammert . . .

. . . oder weshalb die Oma deshalb jetzt Trennungstraining machen muss

Eigentlich ist mein Cockerchen fast überall dabei. Ob in Gaststätten, beim Wandern oder im Urlaub. Seit sieben Jahren. Und es benimmt sich dabei fast immer vorbildlich. Bellt nicht, schnappt nie, zieht nicht, bettelt nicht und folgt sogar via Fingerzeig. Usw. Aber irgendwas muss trotzdem mal irgendwann falsch gelaufen sein. Ich hab es nicht mal bemerkt. Als mir beim schwäbischen Familienbesuch die mitgereiste Frau Nachbarin erzählte, das sonst so brave Vorzeigecockerchen habe in meiner Abwesenheit den halben Weiler zusammen geheult, hielt ich empört dagegen. “kann ja gar nicht sein. Das macht doch Darja nicht!!” Nachdem selbige eigens zu Testzwecken am Folgetag eine halbe Stunde allein blieb , während ich auf leisen Sohlen ums Haus geschlichen bin, fühlte ich mich bestätigt. Alles bestens, alles mucksmäuschenstill.

Die “Mutti” immer fest im Blick. Darja hat allein zu bleiben verlernt und ich habe es nicht bemerkt.

Na also! Können wir doch wieder ohne den Hund in den Weinberg helfen gehen. Gelegentlich mal zwei bis vier Stunden allein bleiben, das hat Darja schließlich von klein auf gelernt. Wenn Oma beispielsweise saunierend in Wellnesstempel abtauchte oder mit Freundin Heidi großstadtbummelte. Doch einige Tage danach wieder eine Problemansage. Ein Nachbar merkte ldeutlich säuerlich an, es sei höchste Zeit, dass jemand den jodelnden Hund aus seinem Alleinsein befreie. Nun war nix mehr zu leugnen. Irgendwas ist schief gelaufen. Aber warum kann mein Hund plötzlich nicht mehr allein sein? Und wie kann man dem Cockerchen das Alleinbleiben – überhaupt und speziell in der Fremde – wieder als etwas vermitteln, was zum normalen Hundeleben gehört?

Mit dem Zweitcocker Bruno (hinten) und der freundlichen Riesenschnauzer “Tante” Ebony von der Satansmeute teilte sich Darja über Jahre das kleine Haus, die Frauchen und das Hundeleben in einem bunten Rudel.
Zum lebenslangen Freundeskreis der beiden Cocker gehörte außerdem die Hundefreundin Kismet,

Also!!! Das Problem ist jetzt erkannt. Es ist schlichtweg Trennungsangst. Wie die zu beheben sei? Danach google und recherchiere ich gerade. Und fand u.a. einige dieser Ratschläge punktuell ganz hilfreich. Wie bei allen Dingen beim Leben mit Hunden passen sie jedoch nicht auf alle Hunde und nicht auf alle Hundemenschen. Man muss die Hilfestellungen anpassen können und dann konsequent durchziehen. Wer aber nicht grübeln und korrigieren will, kann die Sache auch einfach laufen lassen. Der Hund bleibt nicht allein – also lassen wir den armen Liebling eben nicht mehr allein. Der Hund pöbelt unterwegs – also gehen wir Begegnungen mit Artgenossen aus dem Weg. Der Hund zieht – also kaufen wir die neue Wundererziehungsleine oder das softeste Geschirr. Diese Liste ist beliebig fortsetzbar. Das Kneifen vor Problemen ist aber nicht mein Ding. Und deshalb – der Hund weiß es noch nicht – wird Darja beim Lüneburg-Urlaub zwar ganz oft dabei sein, aber auch mal ein Stündchen ganz allein ihrer großen Box verbringen. Die habe ich schon vor Wochen vom Boden geholt und bringe sie ihr schon jetzt als probaten Rückzugs-, Ruhe- und Sicherheitsort täglich nahe. Im Urlaub und bald auch wieder im Weinberg werden so hoffentlich Hundchen und Oma wieder ohne Stress zwischendurch allein bleiben können.

Aber vielleicht habt ihr ja eine bessere Lösung? Dann her damit, ich würde ich mich über Feedback und Vorschläge wirklich dolle freuen.

Der Cocker auf dem Weg zum tollen Hund

. . . oder wie wir dazu unterwegs Reiter und Maschinen spontan zum Üben nutzen

Hundemenschen wissen nie, wer oder was ihnen auf Gassirunden begegnet. Gerade deshalb ist jede Runden immer spannend. Weil – das flüchtende Reh von gestern – es kommt heute hier garantiert nicht mehr vorbei. Aber das Cockerchen erwartet es. Wird schon vor der Stelle hippelig. Gelegenheit, rechtzeitig mit bekannten kleinen Gehorsams- oder Suchübungen vom aufwallenden Jagdeifer ab- oder diesen umzulenken. Zum Beispiel abwärts. Auf Mäuselöcher, die sich vor unseren Nasen massenhaft auf Wiesen finden. Zugegeben, Ablenkungen sind nur so kleine Kniffe bei der Hundeerziehung. Funktionieren auch nur, wenn zwischen Mensch und Hund sonstigs Miteinander stimmt. Sowas wie richtiges Timing, die Balance zwischen Action und Ruhe, zwischen Lob und Kritik, Vertrauen u.v.a.m. Dinge, an denen wir Hundehalter lebenslänglich arbeiten.

Hier brettert der der Landwirt mit Traktor gerade volle Kanne an. Drei Meter zwischen ihm und dem Cockerchen. Zehn Meter zu mir, als ich aus der Ferne die Aufforderung zum Ablegen gab. Ich bin so stolz auf meine Darja.
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Wein – das ist Handarbeit . .

. . .oder was wir sächsische Ostomas so in einem schwäbischen Weinberg treiben

Wengertarbeit im Juni bei 32 Grad. Schnell schießende Ranken müssen zwischen den Drähten eingestreift und fest gebunden werden. Außerdem sind Blätter auf der Sonnenseite zu “lichten”, damit die Sonne an die Beerles kommt.

Wir – Nachbarin Elke, Freundin Heidi und ich – tuckern so ein bis zweimal jährlich von Sachsen bis ins Schwabenland. Zum Besuch bei Töchtern und Enkeln, aber auch auf Dieters Bauernhof mit seinen Weinbergen. Für zwei, drei Stunden ziehen wir uns dann dem Wetter entsprechend an, lassen uns vom Winzer einweisen und mit Arbeitswerkzeug ausstatten. Ich will jetzt nicht oberschlau tun und euch Weinliebhabern auflisten, was zwischen Januar und Oktober alles beim Wein in reiner Handarbeit zu tun ist. Wir haben uns jedenfalls schon in verschiedene Hand- und Hilfsarbeiten einweisen lassen. Für alle, die noch nie in einen Weinberg Hand angelegt haben: Das ist bissl so wie Fließband bei Porsche, aber trotz immer gleicher Handgriffe eben doch ganz anders.

Zwei von der Ostrentnergang – in geborgten Gummistiefeln vor dem Weinbergeinsatz auf dem Gagernberg.

Während die Weinlese vielerorts wie ein tolles Event läuft: mit Verwandten und Freunden, die zum Helfen kommen, mit dem Pausenwagen und Flammkuchen oder dem abendlichem Ausklang mit Hauswein rund um den Grill, da läuft die viele sonstige Arbeit eher unbemerkt. Man kann aber nicht übersehen, dass immer mehr Handarbeit den Maschinen übertragen wird. Vom Binden der Ranken bis zum Vollernter bei der Lese siegt intelligente Technik über die nicht mehr bezahlbare Handarbeit. Und Winzer alten Schlages sterben auch in Deutschland darüber langsam aus. Sie müssen den wirtschaftlichen Zwängen weichen oder eben auf den Zug der Technisierung und Optimierung aufspringen. In den ersten Jahren meiner Schwabenfahrten gab es bei Dieter noch monatsweise polnische oder rumänische Betriebshelfer, die acht bis zehn Stunden stramm auf dem Wengert geschafft haben. Auch das ist für die meisten kleinen Obst-, Spargel-, oder Weinbauern längst Geschichte. Nicht mehr bezahlbar.

Weinprobe bei der Privatkellerei Kümmerle in Schwaigern. Lecker!! Erst, seit wir Omas selbst Hand auf dem Weinberg anlegen, wissen wir ganz genau, dass es für 1,99 oder 2,99 pro Liter industrielles Gesöff, aber keinesfalls so etwas wie halbwegs guten Wein geben kann.

Was für Arbeit aber in jedem Tropfen Wein steckt, bevor wir ihn ins Glas gießen, das weiß ich jetzt. Und so billig wie möglich darf es deshalb nicht sein. Ist ähnlich wie bei den Hähnchenschenkeln und Weihnachtsenten. Bei den spanischen Turbopaprika oder den zwischen Netzen gemästeten Lachsen. Man muss selbst mitgemacht und Hand angelegt haben, wie unsere Lebensmittel oder Genussmittel produziert werden.

Cirka 100 Tage nach dieser unscheinbaren Traubenblüte werden die Beeren geschnitten. Noch einmal fahren wir dann dahin.

Heute bin ich alt . . .

. . . oder warum Oma nur noch flache Hunderunden auswählt

Da kann der Wald noch so schön und die Aussicht noch so brillant sein – wenn man erst weit bis nach da hoch marschieren muss, wird es zum Horror. Zumindest für mich. Denn bis da rauf wird die Luft schon mehrfach knapp. Und die Waden zwicken. Andere Leute nehmen ganz locker flockig diese Anstiege und warten dann dezent auf die Omi mit der Schnappatmung. Zu den besonders fitten Senioren gehört übrigens meine Frau Nachbarin. Die mit 75 noch jeden Sommer ein Stück auf dem Jakobsweg wandert und selbst nach einigen Stunden Garten- oder Weinbergarbeit in Schwaben noch paar Kilometer für ihr Wohlbefinden läuft. Bergab und bergauf. Mit so einem 6,5er kmh-Schnitt.

Nach drei heißen Stunden im Wengert geht Nachbarin Elke (Mitte) gleich noch auf Tour.

Ich hingegen bevorzuge bei den Gassirunden mit dem Cockerchen eher die Flachstrecken und mäßiges Tempo. Beispielsweise rund um den Obersdorfer See oder die Schlegeler Teiche. 3-.5 Kilometer. Das ist grad noch so ohne böses Kreuzweh hinterher für mich drin. Außer: das Wetter wechselt oder man hat kurz zuvor im Garten hantiert. Das tut hinterher auch weh. Und dann fühlt man sich alt, uralt sogar. Wenn an solchen Tagen das Telefon klingelt und jemand wissen will, wie es denn so geht, besteht die Gefahr, dass ich dem Anrufer die ganze Litanei und alle aktuell zwickenden Alterswehwehchen vorbete. Dazu gesellt sich zeitweise noch Depri. Kriegt man doch nicht mal mehr nen halbfesten Drehverschluss auf. Die Schuhlöffel werden auch immer länger. Nein!! Alt werden ist wirklich nichts für Feiglinge.

Schneckentempo – die erzwungene Umstellung im Alter will erst erlernt werden.

An solchen “Schleichtagen” mit Rückenweh und Jammerbedürfnis ist Fernsehen so gar kein Gegenmittel. Im Gegenteil. Tanzen doch über den Flachbildschirm entweder junge, knackige und vegane Weltverbesserer mit Marathonambitionen, oder kann ich mich via Werbung mit allen möglichen Mitteln entschlacken, entsäuern und sogar abspecken. Und mir mit diversen Visite-Sendungen noch paar zusätzliche Krankheiten andichten. Aber da gibt es eine Geheimmedizin.

Diese schöne Cockerine, die holt die Oma aus dem Jammertal, vom Sofa und aus Depressionen. Foto: Novela

Das mache ich doch mit links . . .

. . .dachte die Oma und kniete auf dem Küchenboden

Ein Dauerregentag in der sonst so schönen Oberlausitz. Das Cockerchen steht in der Haustür und will nicht mal mit Mäntelchen bei so einem Hundewetter raus. Ich auch nicht. Was also außer Lesen oder blöder Hausarbeit tun? Beim Nachbarschaftskaffee trug ich der Elke von nebenan den Plan vor: Man könnte doch den tief durchgelatschten Bodenbelag in der Küche mal wechseln. Das fand meine 75-jährige Lieblingsnachbarin toll. “Zack, zack, ist das doch in der winzigen Bude mit dem Cattermesser raus geschnitten”. Es sah auch – so wie sie mir das erklärte – total einfach aus. Nur ist sie eben handwerklich taff, während ich vier linke Hände und beim Handwerkeln nie wirklich einen Plan habe.

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