Unser Garten wird jetzt wild

Oder – vom privaten Einrichten auf den Klimawandel

Wir wohnen ländlich. Man muss da nicht jeden ins Haus reinlassen. Aber Geranien im Blumenkasten, geharkter Kies vor dem Haus und die unkrautfreien Schnittgerinne rund ums Häusle, die sind Pflicht. Sind sie doch als Außenansicht quas unser Aushängeschild. So etwa wie das eigene Profil im Internet. “Was sollen denn die Leute von uns denken!?”, lautet also immer mein Aufschrei, wenn der Löwenzahn aus jeder Ritze des Pflasters sprießt.

Foto: Pixabay

Aber da zuckt meine Mitbewohnerin nur die Schultern. Ihr ist es schnurz, was die Leute denken. Nicht jedoch, wo Igel, Würmer, Bienen, Hummeln und so weiter in Zeiten des Klimawandels Nahrung und Wasser finden. Kopfüber mit Stroh ausgestopfte und aufgespießte Blumentöpfe werden zu Insekten-Sozialwohnungen. Riesige Disteln wachsen zwischen Löwenmaul und Mangold. Und wehe, ich will mal Melde; Nesseln oder andere Unkräuter rupfen. Die sind alle heilsam oder nutzvoll. Sofort bekomme ich entsprechende Erklärungen oder Links. Allerdings auch Kräuterbutter oder Salben und Tee mit den Ingredienzien aus dem Minigarten.

Besser kann man es kaum sagen.

Wir haben uns inzwischen geeinigt: Ich hege Oleander, Oliven und den von der großen Tochter geschenkten Lavendel in Kübeln vor dem Haus. Die Mitbewohnerin rasentrimmt ihrerseits sorgsam um Bienenweidenblümeln und blühende Kräuter auf dem Hang herum. Beide bemühen wir uns dabei um viele kleine Mitbewohner.

Und wir haben dennoch Angst, dass es zu spät ist!

Klimakampf am Dresdener Stadtrand (Teil 2)

Juli 2019 wie geht es weiter in der grünen Wüstenei in Mockritz?

Fest steht: diese Umwelt-Geschchte aus dem Dresdener Stadtteil Mockritz wird eine Fortsetzungsserie. Denn jedes Mal, wenn ich dort bei Freunden zu Besuch bin, gibt es etwas Neues auf unserer Gassipiste zu sehen. Schon im Vorjahr zogen die Pächter aus ihren Kleingärten. Im März kreischten dann die Sägen und gefallene Bäume wurden gleich serienweise vor Ort zu Spänen geschreddert. Eine Bürgerinitiative gründete sich. Die kämpft bis heute gegen die Pläne des neuen Eigentümers. Wer es genauer wissen möchte, hier ist Teil eins der Geschichte:

An Pfählen der früheren Zäune, die im Zuge der Baumfällung entfernt worden waren prangen jetzt Verbotsschilder des neuen Eigentümers.

Dem bekannten Bauunternehmer weht mächtiger Gegenwind durch seine Pläne. Er muss jetzt auflisten, wie viele geschützte Bäume er in der Großaktion in Gärten und auf Steuobstwiese fällen ließ – und im Herbst neue Bäume pflanzen. Außerdem lässt die Bürgerinitiative die Anwohner wissen, dass es keine Änderung des Bebauungsplanes für dieses Areal gibt. Das – so ein neuer Stadtratsbeschluss – soll weiter grüne Fläche bleiben.

Aber wie lange werden die Anwohner als brave und ordentliche Bürger diese immer wilder wuchernde Wüste vor ihrem Antlitz und zwischen ihren hübschen Häusern und Gärten wohl noch ertragen können? Wo mannshohe Disteln gerade ihre Samen weit fliegen lassen. Brombeerhecken die einstige Streuobstwiese erobern und bestimmt irgendwann ein leichtsinniges Kind oder Tier in Drahthollen hängen bleibt oder in eine Grube stürzt?

Ich fahre bald wieder nach Dresden und bin gespannt, wie dieser Mockritzer Umweltkrimi weiter geht. Das lasse ich euch dann natürlich wissen.

Oma bekommt die Welt erklärt

Oder wie Wissen krümelweise aufgeschnappt wird

Eine meiner Töchter schickt mir immer mal Links von einer Youtuberin bzw. Influencerin oder wie auch immer die Leute heißen, die vor der Kamera hüpfen und uns vom Sofa aus die Welt, den Klimawandel oder das Scheren von Hunden erklären. Ich halte maximal drei Minuten durch und schalte dann entnervt weg. Schicke aber meinerseits Hundefreunden immer mal wieder gern eines der Erziehungshilfsvideos (quasi anstelle meines erhobenen Zeigefingers) Bringt deren Hunden natürlich gar nix. Deren Frauchen schalten nämlich auch einfach weg.

Das sieht doch ganz harmonisch aus. Oder? Ist es aber nicht. Und weder Youtube-Anleitungen noch Hundeforen oder geborgte Bücher können die Mühe richtiger Ausbildung bzw. Anleitung ersetzen.
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Bruno der Würsteldieb

Wieder ist es passiert. Ich hab drei gefüllte Einkaufstauschen aus dem Auto geräumt. Dann die auf dem Markt erstandenen Pflanzen nach dem Hitzeschock in einen Wasserbottich getaucht. Also eben nicht zuerst alle Taschen in hundesicheren Höhen abgestellt. Statt dessen hinterm Haus erst große Kübel für die noch kleinen Zucchinis gesucht.

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Schwimmen im Kohleloch

Die Vergangenheit im sächsischen Dreiländereck

Nur abseits der Wege finden sich zwischen dem Zittauer Landratsamt, Hörnitz, Olbersdorf und dem Hradeker Feuchtgebiet noch einige Tafeln mit Hinweis auf frühere Kohlegruben. Dabei wurde hier überall mal Kohle abgebaut. Erst unter Tage, dann über Tage. Der Kohle fielen viele Dörfer zum Opfer. Schon vor der DDR. Wir haben hier viele Kohlegruben und etliche Kohleseen. Einer der kleinsten ist der Olbersdorfer See.

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