Der Cocker auf dem Weg zum tollen Hund

. . . oder wie wir dazu unterwegs Reiter und Maschinen spontan zum Üben nutzen

Hundemenschen wissen nie, wer oder was ihnen auf Gassirunden begegnet. Gerade deshalb ist jede Runden immer spannend. Weil – das flüchtende Reh von gestern – es kommt heute hier garantiert nicht mehr vorbei. Aber das Cockerchen erwartet es. Wird schon vor der Stelle hippelig. Gelegenheit, rechtzeitig mit bekannten kleinen Gehorsams- oder Suchübungen vom aufwallenden Jagdeifer ab- oder diesen umzulenken. Zum Beispiel abwärts. Auf Mäuselöcher, die sich vor unseren Nasen massenhaft auf Wiesen finden. Zugegeben, Ablenkungen sind nur so kleine Kniffe bei der Hundeerziehung. Funktionieren auch nur, wenn zwischen Mensch und Hund sonstigs Miteinander stimmt. Sowas wie richtiges Timing, die Balance zwischen Action und Ruhe, zwischen Lob und Kritik, Vertrauen u.v.a.m. Dinge, an denen wir Hundehalter lebenslänglich arbeiten.

Hier brettert der der Landwirt mit Traktor gerade volle Kanne an. Drei Meter zwischen ihm und dem Cockerchen. Zehn Meter zu mir, als ich aus der Ferne die Aufforderung zum Ablegen gab. Ich bin so stolz auf meine Darja.
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Wein – das ist Handarbeit . .

. . .oder was wir sächsische Ostomas so in einem schwäbischen Weinberg treiben

Wengertarbeit im Juni bei 32 Grad. Schnell schießende Ranken müssen zwischen den Drähten eingestreift und fest gebunden werden. Außerdem sind Blätter auf der Sonnenseite zu “lichten”, damit die Sonne an die Beerles kommt.

Wir – Nachbarin Elke, Freundin Heidi und ich – tuckern so ein bis zweimal jährlich von Sachsen bis ins Schwabenland. Zum Besuch bei Töchtern und Enkeln, aber auch auf Dieters Bauernhof mit seinen Weinbergen. Für zwei, drei Stunden ziehen wir uns dann dem Wetter entsprechend an, lassen uns vom Winzer einweisen und mit Arbeitswerkzeug ausstatten. Ich will jetzt nicht oberschlau tun und euch Weinliebhabern auflisten, was zwischen Januar und Oktober alles beim Wein in reiner Handarbeit zu tun ist. Wir haben uns jedenfalls schon in verschiedene Hand- und Hilfsarbeiten einweisen lassen. Für alle, die noch nie in einen Weinberg Hand angelegt haben: Das ist bissl so wie Fließband bei Porsche, aber trotz immer gleicher Handgriffe eben doch ganz anders.

Zwei von der Ostrentnergang – in geborgten Gummistiefeln vor dem Weinbergeinsatz auf dem Gagernberg.

Während die Weinlese vielerorts wie ein tolles Event läuft: mit Verwandten und Freunden, die zum Helfen kommen, mit dem Pausenwagen und Flammkuchen oder dem abendlichem Ausklang mit Hauswein rund um den Grill, da läuft die viele sonstige Arbeit eher unbemerkt. Man kann aber nicht übersehen, dass immer mehr Handarbeit den Maschinen übertragen wird. Vom Binden der Ranken bis zum Vollernter bei der Lese siegt intelligente Technik über die nicht mehr bezahlbare Handarbeit. Und Winzer alten Schlages sterben auch in Deutschland darüber langsam aus. Sie müssen den wirtschaftlichen Zwängen weichen oder eben auf den Zug der Technisierung und Optimierung aufspringen. In den ersten Jahren meiner Schwabenfahrten gab es bei Dieter noch monatsweise polnische oder rumänische Betriebshelfer, die acht bis zehn Stunden stramm auf dem Wengert geschafft haben. Auch das ist für die meisten kleinen Obst-, Spargel-, oder Weinbauern längst Geschichte. Nicht mehr bezahlbar.

Weinprobe bei der Privatkellerei Kümmerle in Schwaigern. Lecker!! Erst, seit wir Omas selbst Hand auf dem Weinberg anlegen, wissen wir ganz genau, dass es für 1,99 oder 2,99 pro Liter industrielles Gesöff, aber keinesfalls so etwas wie halbwegs guten Wein geben kann.

Was für Arbeit aber in jedem Tropfen Wein steckt, bevor wir ihn ins Glas gießen, das weiß ich jetzt. Und so billig wie möglich darf es deshalb nicht sein. Ist ähnlich wie bei den Hähnchenschenkeln und Weihnachtsenten. Bei den spanischen Turbopaprika oder den zwischen Netzen gemästeten Lachsen. Man muss selbst mitgemacht und Hand angelegt haben, wie unsere Lebensmittel oder Genussmittel produziert werden.

Cirka 100 Tage nach dieser unscheinbaren Traubenblüte werden die Beeren geschnitten. Noch einmal fahren wir dann dahin.

Heute bin ich alt . . .

. . . oder warum Oma nur noch flache Hunderunden auswählt

Da kann der Wald noch so schön und die Aussicht noch so brillant sein – wenn man erst weit bis nach da hoch marschieren muss, wird es zum Horror. Zumindest für mich. Denn bis da rauf wird die Luft schon mehrfach knapp. Und die Waden zwicken. Andere Leute nehmen ganz locker flockig diese Anstiege und warten dann dezent auf die Omi mit der Schnappatmung. Zu den besonders fitten Senioren gehört übrigens meine Frau Nachbarin. Die mit 75 noch jeden Sommer ein Stück auf dem Jakobsweg wandert und selbst nach einigen Stunden Garten- oder Weinbergarbeit in Schwaben noch paar Kilometer für ihr Wohlbefinden läuft. Bergab und bergauf. Mit so einem 6,5er kmh-Schnitt.

Nach drei heißen Stunden im Wengert geht Nachbarin Elke (Mitte) gleich noch auf Tour.

Ich hingegen bevorzuge bei den Gassirunden mit dem Cockerchen eher die Flachstrecken und mäßiges Tempo. Beispielsweise rund um den Obersdorfer See oder die Schlegeler Teiche. 3-.5 Kilometer. Das ist grad noch so ohne böses Kreuzweh hinterher für mich drin. Außer: das Wetter wechselt oder man hat kurz zuvor im Garten hantiert. Das tut hinterher auch weh. Und dann fühlt man sich alt, uralt sogar. Wenn an solchen Tagen das Telefon klingelt und jemand wissen will, wie es denn so geht, besteht die Gefahr, dass ich dem Anrufer die ganze Litanei und alle aktuell zwickenden Alterswehwehchen vorbete. Dazu gesellt sich zeitweise noch Depri. Kriegt man doch nicht mal mehr nen halbfesten Drehverschluss auf. Die Schuhlöffel werden auch immer länger. Nein!! Alt werden ist wirklich nichts für Feiglinge.

Schneckentempo – die erzwungene Umstellung im Alter will erst erlernt werden.

An solchen “Schleichtagen” mit Rückenweh und Jammerbedürfnis ist Fernsehen so gar kein Gegenmittel. Im Gegenteil. Tanzen doch über den Flachbildschirm entweder junge, knackige und vegane Weltverbesserer mit Marathonambitionen, oder kann ich mich via Werbung mit allen möglichen Mitteln entschlacken, entsäuern und sogar abspecken. Und mir mit diversen Visite-Sendungen noch paar zusätzliche Krankheiten andichten. Aber da gibt es eine Geheimmedizin.

Diese schöne Cockerine, die holt die Oma aus dem Jammertal, vom Sofa und aus Depressionen. Foto: Novela

Oma feiert anders . . .

. . . oder von kleiner Teichparty mit Hunden und Freunden

Eine grüne Oase, liebevoll gepflegt. Wer den Verein bei der Pflege unterstützen möchte, findet am Bungalow alle Daten.

Nein, so eine mit Damast bedeckte Tafel mit feinstem Porzellan drauf und festlicher Dress für die gratulierenden Leute – das ist mir nix. Das passt einfach nicht zu mir. Auch nicht bei Jubiläen. Also entstand beim Nachbarschaftskaffee mit Elke die Idee vom kleinen Picknick am Schlegeler Teich. Diese kleine und inzwischen wieder von den Teichfreunden so fein gepflegte grüne Oase zwischen vier Oberlausitzer Dörfern, sie gehört ganzjährig zu meinen Lieblingsmorgenrunden mit dem Cockerchen Darja.

Und so haben sich ein Dutzend Vierbeiner mit ihren Dosenöffnern und meine Nachbarin als Johanna-Hüterin an einem arschkalten Maitag am Teich eingefunden.

Und weil die meisten Hundeleute ihre Wuffs immer und überall dabei haben möchten und erst dann wirklich glücklich sind, habe ich die “kleinen Harlekine”, Jacko, Paulchen, Krümel, Freddy usw. samt ihren Dosenöffnern zum Imbiss rund um den Teich geladen. Wegen Schlechtwetter gehörte das Gelände auch uns ganz allein. Und so konnten alle Hunde (zwischen vier Monaten und 14 Jahren alt) also frei laufen. Sie lernten neue Kumpels kennen, ohne dass ihre Frauchen sich groß ängstigten. Und für jedes Scheißhäufchen gab es rings um den Teich die Abfallbehälter.

Und hier gab es dann für uns Menschen bei der Heike vom Kiosk “Teichrose” den Badimbiss und Erdbeerbowle.

Alles in allem ein Nachmittag, der zu mir passte. Der mir und hoffentlich auch den outdoor-Gästen in guter Erinnerung bleiben wird. Zumindest haben sich bei 12 Grad Celsius mit lauter Schauern weder Zwei- noch Vierbeiner was weg geholt.

Monjas Torte fand ebenfalls begeisterte Koster. Ach ja – und den vielen Wein – den werden wir bei den nächsten Hundedienstagen so nach und nach verkosten.

Die Sache mit den Abkürzungen . . .

. . . oder warum die Oma dabei immer noch auf die Nase fällt

Dass der kürzeste Weg keinesfalls immer der beste ist, das sollte man irgendwann in einem so langem Menschenleben wie meinem mal geschnallt haben. Aber denkste! Der Mensch ist eben, wie er ist. Und wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich bis heute am liebsten irgendwo immer noch ne verlockende Abkürzung. Die ziehen mich magisch an. Über etliche Fallstricke bin ich dabei im Job, beim Wanderreiten oder in anderen Lebensbereichen schon geflogen.

Äste und Brombeerranken. Die reichen heute, um Oma zu Fall zu bringen. Da staunt der Cocker. Er hat vier Beine
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