Mit Mercedes in den Wald

. . . oder wie die Oma bei den Hunderunden im Busch doch mal über andere feixt

Es ist Oktober. Abnehmender Mond und patschnasser Waldboden nach einer Regennacht. Da greift der wirklich kundige Pilzsucher nicht nach Messer und Korb. Aber es ist auch Sonntag. Da greifen halt die Sonntagspilzsucher nach ihren größten Körben und fahren dann mit ihren dicken Autos bis in die Schneisenzufahrten. Vorzugsweise ab 11 Uhr bis nachmittags. Nachdem sie gehört oder gelesen haben, wie viele Steinpilze andere gefunden haben.

Dicke Autos an den Waldzufahrten. Aber Pilze haben ihren eigenen Lebensrhythmus. Das Wachstum ihrer Fruchtkörper richtet sich nicht nach den freien Tagen der Menschen.

Ich gehe bei Schlechtwetter auch in den Busch. Schließlich will das Cockerchen Darja immer ihre große Runde. Und der Wald, er ist zu allen Jahreszeiten schön. Noch!!! Wer weiß, wie lange er uns Menschen und unsere Art Waldnutzung noch aushält. Schon jetzt sind in “meinem Pilzrevier” viele Myzel zerstört, der vorher fluffige Waldboden nach Forstmaschineneinsatz betonhart und die Wege zu stinkenden Tümpeln geworden. Und von den sterbenden Fichten rieseln die Nadeln. Wenn dazwischen doch mal Pilze schießen, schleppen besonders Gierige diese sofort in Riesenkörben ab und präsentieren die “Beute” dann mit Kiloangabe im Netz. Vielleicht bin ich deshalb stinkig, wenn sonntags Leute mit dicken Autos an den Wegen parken und erwarten, dass ihnen Marone, Steinpilz und andere Waldgeschenke hopp-hopp sofort und massenhaft ins Körbchen springen.

Waldrunden ohne Korb nutze ich gern zur “Weiterbildung” Selbst wenn es wie hier kein essbarer Pilz ist – man kennt ihn dann.
. . . und verwechselt ihn nicht mit dem bekannteren Herbstpilz, den “Sonntagssucher” auch nicht mitnehmen.
Ja, und diese dicken schuppligen Dinger werden auch selten genommen und wenn – dann nur wie Schnitzel mit Ei und Panade gebraten. Was dann wie Ei und Panade und nicht mehr wie Parasolpilz schmeckt.

Ja, es gibt für mich schon zu feixen an solchen “Nachregensonntagen” bei abnehmendem Mond . Zweierlei Art von Begegnungsblicken sind besonders spannend. Zum einen der distanzierte: “Igitt, was hat die denn da gesammelt? Würden wir ja nie nehmen. Sieht schon giftig aus. ” Und zum anderen der neidische: “Woher hat die Alte jetzt die Pfifferlinge geholt, während wir nur Zermatschtes finden?” Also Leute, ich gönne Euch den Mercedes ja. Wirklich!!! Aber beim Suchen, Finden und der Kenntnis über Pilze und Liebe zum Wald würde auch ein Fahrrad genügen.

Und nach diesem Post gibt es Rehblatt von einer Jungjägerin und selbst gesammelte Oktoberpilze.