Unterwegs zu Fuchs und Hase

. . . oder wie Oma wieder den Wald mit Hund genießt

Der Wald – er ist nicht nur in Corona-Zeiten Balsam fürs Gemüt. Zumindest in jenen Ecken, wo noch nicht die Harvester beim Kampf gegen den Borkenkäfer viel Kahlschlag und auf lange Sicht zerstörte Bodenflora und Lebensräume hinterlassen. Und selbst, wenn der Wald gegen fehlendes Wasser, Schädlinge und Stürme kämpft – ihm wohnt ein Zauber inne. Wenn die Bäume flüstern und die Vögel von Ast zu Ast ihren Sängerwettstreit abhalten, kann ich den Wald zu jeder Jahres mit allen Sinnen genießen. Und noch aufmerksamer schaue ich auch mal um Bäume oder an ihnen hoch, seit ich das Buch “Das geheime Leben der Bäume” von Peter Wohlleben gelesen habe.

Cockerchen Darja im heimatlichem Kemlitztal. Sie zeigt mir bei Waldrunden, was Hunde so alles lange vor ihren Menschen entdecken.

Nun waren meine letzten fünf Gassijahre mit Hunden eher anstrengend. War doch der “Oberjäger” Bruno im Wald selbst angeleint nur schwer zu händeln. Und die auf dem Foto oben so unschuldig blickende Darja zeigte ihm ständig, was es rechts und links des Weges zu schnuppern gab. Von geruhsamen Waldwanderungen konnte also keine Rede sein. Selbst als die Cocker nach sehr, sehr viel Arbeit wechselweise frei und ausschließlich auf dem Hauptweg laufen durften, brauchte ich acht Augen, fünf Ohren und 200% Aufmerksamkeit , um möglichen “Jagdausflügen” des Duos zuvor zu kommen. Weil Wald so aber wenig Freude gemacht hat, wurden Gänge in den Busch eher die Ausnahme.

Darja und ihre von meiner Freundin Margit mal ausgeborgte Casey bleiben im Wald auf dem Weg. Selbst als den neulich drei junge Füchse querten, stürmten die Mädels nicht in den Busch. Ließen sich stoppen..

Das ist jetzt wieder anders. Glücklich und entspannt stiefel ich mit der seinerzeit von klein auf gut erzogenen Hündin durch den Wald. Dass die ein sehr vorsichtiger Typ ist, erweist sich unterwegs als Vorteil. Sieht das Cockerchen Wild, dann zeigt das Darja verharrend und mit erhobener Pfote an. Ist ja kein Kumpel mehr da, den sie anstiften und dem sie sich dann anschließen kann. Heute stand ein Feldhase mitten auf dem Weg. Dann stehen wir beide da. Mucksmäuschenstill. Und ich zücke in Zeitlupe das Smartphone. Leider ist auch das beste Handy keine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv. Und so ist der Hase kaum erkennbar, der jagende Fuchs von vorgestern zumindest zu sehen und das neulich seitwärts von uns äsende Reh nur mit Beschreibung zu sehen.

Frau oder Herr Reinicke auf Mäusejagd. So etwas zu beobachten – mit einem Jagdhund an der Seite – ist toll.

Nun leben in unserer sächsischen Oberlausitz neben Bibern, Rehen, Waschbären und Füchsen auch ne Menge wilder Schweine und in meinem “Hauswald” zieht sogar eine Wolfsfamilie ihre Welpen auf. Ich gehe trotzdem ohne Angst mit Hund in den Wald. Denn mein Hund signalisiert, wenn etwas in der Nähe ist. Und da das Cockerchen bei mir bleibt, provoziert Darja weder eine führende Bache noch läuft sie dem Wolf vor die Fänge. Die einzigen Jagdausrutscher bilden huschende Eichhörnchen.

Ab in die Pilze!

Es ist feucht. Es ist warm. Es ist Juni.. Da müssten sie doch wachsen: die ersten Pilze. Neben den pilzfreundlichen Wetterkriterien gibt es noch zwei Anzeichen, an denen ich festmachen kann, ob es schon lohnenswert viele Pilze gibt. Einmal sind das an Waldzufahrten parkende Autos und zum zweiten auf dem Polenmarkt feilgebotene Körbe.

Darja fegt nach einem Pfiff zurück. Als kleiner Feigling bleibt sie solo auf meinen Pilzpirschs eher nahe.

Zugegeben, ich bin dieser Tage mal schon durch den Busch gehirscht, obwohl es auf dem Polenmarkt noch keine Pilze gab und auch keine Rentnerautos in Waldzufahrten standen. Man kennt ja so seine Stellen. Und weiß nach spätestens einem Kilometerchen: Das wird nix mit ner Riesenbeute im Korb. Aber Pilze wachsen immer. Zum Beispiel immer ein paar Perlpilze.

Gelegentliche Pilzsucher nehmen Perlpilze nicht. Die sehen ihnen zu giftig aus mit ihren Lamellen und den roten Fraßgängen für Maden. .

Dabei schmecken Perpilze ganz lecker. Und deren rote Fraßgänge, die sind das ganz eindeutige Unterscheidungsmerkmal gegen den giftigen Pantherpilz und/oder den essbaren grauen Wulstling. Nach der ersten Waldexkursion habe ich Perpilze heim gebracht.

Und die lecker zu Nudeln gebraten. Das war gestern. Wir leben noch. Also nur – falls einer von euch an braune Fliegenpilze denkt!

Gefallene Bäume

Ostern. Strahlender Sonnenschein. Das in unserer zauberhaften und hutzelkleinen Gebirgslandschaft. In der man bergauf und bergab lauter kleine lauschige Dörflein durchquert oder die Burgruine Oybin sowie Bauden und Berggipfel in nur wenigen Marschkilometern erreicht. Dieses so winzige Zittauer Gebirge, in dem man wandernd auch schnell mal auf tschechischer Seite landen kann – es war schon früher immer mein persönlicher Glücksquell. Ob zu Pferd, mit Pilzkorb oder mit Hund: kamen wir aus dem Gebirge zurück, dann war die Welt wieder in Ordnung. Pferde, Mensch und Hund zwar manchmal kaputt, aber eben auch glücklich.

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