Die Sache mit den Abkürzungen . . .

. . . oder warum die Oma dabei immer noch auf die Nase fällt

Dass der kürzeste Weg keinesfalls immer der beste ist, das sollte man irgendwann in einem so langem Menschenleben wie meinem mal geschnallt haben. Aber denkste! Der Mensch ist eben, wie er ist. Und wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich bis heute am liebsten irgendwo immer noch ne verlockende Abkürzung. Die ziehen mich magisch an. Über etliche Fallstricke bin ich dabei im Job, beim Wanderreiten oder in anderen Lebensbereichen schon geflogen.

Äste und Brombeerranken. Die reichen heute, um Oma zu Fall zu bringen. Da staunt der Cocker. Er hat vier Beine
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Ach du armer deutscher Wald . . .

. . . oder wie traurig dieser hier derzeit anzusehen ist

Kein schöner Anblick – diese letzten einsamen Fichten. Er ist bitter anzusehen, der Borkenkäferkahlschlag im Zittauer Stadtwald.

Früh noch schnell mit Hund frische Luft und Waldduft genießen. Die Seele dabei in der Natur baumeln lassen. Eine Prise Glück tanken. Sich fit laufen. Dabei ein paar Spuren raten und den Vögeln lauschen, Beeren pflücken und Pilze oder Naturdeko suchen. Ja, auch Hunde beschäftigen und waldtauglich erziehen. Das alles und noch mehr war für mich jahrzehntelang der Wald. Nun sollen es also nur der Klimawandel und der Borkenkäfer sein, die Schuld am Waldsterben sind? Nicht etwa die “industrielle Massenbaumwirtschaft” mit Monokultur und mächtig Ertragsdruck? Lange hab ich – bin schließlich nur Waldgast – alles geglaubt, was da so als Dringlichkeiten zum Schutz des Waldes beschlossen, gesteuert und uns gesagt worden ist. Erste Zweifel gab es schon, als mir dieser Typ was vom geheimen Leben der Bäume erzählte.

Das hier war mal ein richtiger Wald. 2021 ist der Anblick aber sehr verstörend. Die Fichten sind hin. Wege und Waldboden links und rechts unter den Reifen der “Schlachtmaschinen” zermahlen.

Noch vor zwei Jahren habe ich mit Darja genau da Pilze gesucht und viele (nicht nur Parasole) gefunden. Aber Pilze und Bäume brauchen einander.

Nein – ich verstehe es nun nicht mehr. Was da jetzt im Wald so läuft bzw. täglich kreischend und ganzjährig Bäume schreddert und überall Wald vernichtet, das ist so ähnlich wie der momentane Kampf unserer Oberen gegen Corona. Reiner Aktionismus, der nix bringt. Um das zu erkennen, muss man nicht Forstwirtschaft oder Medizin studieren. Ach ja – und wer mit Wäldern so wie derzeit umgeht, der muss eigentlich auch keine Wolfsmanagements oder Wolfsbüros mehr einrichten, denn in solchen Wäldern wollen und können Wölfe gar nicht leben.

Mit Mercedes in den Wald

. . . oder wie die Oma bei den Hunderunden im Busch doch mal über andere feixt

Es ist Oktober. Abnehmender Mond und patschnasser Waldboden nach einer Regennacht. Da greift der wirklich kundige Pilzsucher nicht nach Messer und Korb. Aber es ist auch Sonntag. Da greifen halt die Sonntagspilzsucher nach ihren größten Körben und fahren dann mit ihren dicken Autos bis in die Schneisenzufahrten. Vorzugsweise ab 11 Uhr bis nachmittags. Nachdem sie gehört oder gelesen haben, wie viele Steinpilze andere gefunden haben.

Dicke Autos an den Waldzufahrten. Aber Pilze haben ihren eigenen Lebensrhythmus. Das Wachstum ihrer Fruchtkörper richtet sich nicht nach den freien Tagen der Menschen.

Ich gehe bei Schlechtwetter auch in den Busch. Schließlich will das Cockerchen Darja immer ihre große Runde. Und der Wald, er ist zu allen Jahreszeiten schön. Noch!!! Wer weiß, wie lange er uns Menschen und unsere Art Waldnutzung noch aushält. Schon jetzt sind in “meinem Pilzrevier” viele Myzel zerstört, der vorher fluffige Waldboden nach Forstmaschineneinsatz betonhart und die Wege zu stinkenden Tümpeln geworden. Und von den sterbenden Fichten rieseln die Nadeln. Wenn dazwischen doch mal Pilze schießen, schleppen besonders Gierige diese sofort in Riesenkörben ab und präsentieren die “Beute” dann mit Kiloangabe im Netz. Vielleicht bin ich deshalb stinkig, wenn sonntags Leute mit dicken Autos an den Wegen parken und erwarten, dass ihnen Marone, Steinpilz und andere Waldgeschenke hopp-hopp sofort und massenhaft ins Körbchen springen.

Waldrunden ohne Korb nutze ich gern zur “Weiterbildung” Selbst wenn es wie hier kein essbarer Pilz ist – man kennt ihn dann.
. . . und verwechselt ihn nicht mit dem bekannteren Herbstpilz, den “Sonntagssucher” auch nicht mitnehmen.
Ja, und diese dicken schuppligen Dinger werden auch selten genommen und wenn – dann nur wie Schnitzel mit Ei und Panade gebraten. Was dann wie Ei und Panade und nicht mehr wie Parasolpilz schmeckt.

Ja, es gibt für mich schon zu feixen an solchen “Nachregensonntagen” bei abnehmendem Mond . Zweierlei Art von Begegnungsblicken sind besonders spannend. Zum einen der distanzierte: “Igitt, was hat die denn da gesammelt? Würden wir ja nie nehmen. Sieht schon giftig aus. ” Und zum anderen der neidische: “Woher hat die Alte jetzt die Pfifferlinge geholt, während wir nur Zermatschtes finden?” Also Leute, ich gönne Euch den Mercedes ja. Wirklich!!! Aber beim Suchen, Finden und der Kenntnis über Pilze und Liebe zum Wald würde auch ein Fahrrad genügen.

Und nach diesem Post gibt es Rehblatt von einer Jungjägerin und selbst gesammelte Oktoberpilze.

Unterwegs zu Fuchs und Hase

. . . oder wie Oma wieder den Wald mit Hund genießt

Der Wald – er ist nicht nur in Corona-Zeiten Balsam fürs Gemüt. Zumindest in jenen Ecken, wo noch nicht die Harvester beim Kampf gegen den Borkenkäfer viel Kahlschlag und auf lange Sicht zerstörte Bodenflora und Lebensräume hinterlassen. Und selbst, wenn der Wald gegen fehlendes Wasser, Schädlinge und Stürme kämpft – ihm wohnt ein Zauber inne. Wenn die Bäume flüstern und die Vögel von Ast zu Ast ihren Sängerwettstreit abhalten, kann ich den Wald zu jeder Jahres mit allen Sinnen genießen. Und noch aufmerksamer schaue ich auch mal um Bäume oder an ihnen hoch, seit ich das Buch “Das geheime Leben der Bäume” von Peter Wohlleben gelesen habe.

Cockerchen Darja im heimatlichem Kemlitztal. Sie zeigt mir bei Waldrunden, was Hunde so alles lange vor ihren Menschen entdecken.

Nun waren meine letzten fünf Gassijahre mit Hunden eher anstrengend. War doch der “Oberjäger” Bruno im Wald selbst angeleint nur schwer zu händeln. Und die auf dem Foto oben so unschuldig blickende Darja zeigte ihm ständig, was es rechts und links des Weges zu schnuppern gab. Von geruhsamen Waldwanderungen konnte also keine Rede sein. Selbst als die Cocker nach sehr, sehr viel Arbeit wechselweise frei und ausschließlich auf dem Hauptweg laufen durften, brauchte ich acht Augen, fünf Ohren und 200% Aufmerksamkeit , um möglichen “Jagdausflügen” des Duos zuvor zu kommen. Weil Wald so aber wenig Freude gemacht hat, wurden Gänge in den Busch eher die Ausnahme.

Darja und ihre von meiner Freundin Margit mal ausgeborgte Casey bleiben im Wald auf dem Weg. Selbst als den neulich drei junge Füchse querten, stürmten die Mädels nicht in den Busch. Ließen sich stoppen..

Das ist jetzt wieder anders. Glücklich und entspannt stiefel ich mit der seinerzeit von klein auf gut erzogenen Hündin durch den Wald. Dass die ein sehr vorsichtiger Typ ist, erweist sich unterwegs als Vorteil. Sieht das Cockerchen Wild, dann zeigt das Darja verharrend und mit erhobener Pfote an. Ist ja kein Kumpel mehr da, den sie anstiften und dem sie sich dann anschließen kann. Heute stand ein Feldhase mitten auf dem Weg. Dann stehen wir beide da. Mucksmäuschenstill. Und ich zücke in Zeitlupe das Smartphone. Leider ist auch das beste Handy keine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv. Und so ist der Hase kaum erkennbar, der jagende Fuchs von vorgestern zumindest zu sehen und das neulich seitwärts von uns äsende Reh nur mit Beschreibung zu sehen.

Frau oder Herr Reinicke auf Mäusejagd. So etwas zu beobachten – mit einem Jagdhund an der Seite – ist toll.

Nun leben in unserer sächsischen Oberlausitz neben Bibern, Rehen, Waschbären und Füchsen auch ne Menge wilder Schweine und in meinem “Hauswald” zieht sogar eine Wolfsfamilie ihre Welpen auf. Ich gehe trotzdem ohne Angst mit Hund in den Wald. Denn mein Hund signalisiert, wenn etwas in der Nähe ist. Und da das Cockerchen bei mir bleibt, provoziert Darja weder eine führende Bache noch läuft sie dem Wolf vor die Fänge. Die einzigen Jagdausrutscher bilden huschende Eichhörnchen.

Ab in die Pilze!

Es ist feucht. Es ist warm. Es ist Juni.. Da müssten sie doch wachsen: die ersten Pilze. Neben den pilzfreundlichen Wetterkriterien gibt es noch zwei Anzeichen, an denen ich festmachen kann, ob es schon lohnenswert viele Pilze gibt. Einmal sind das an Waldzufahrten parkende Autos und zum zweiten auf dem Polenmarkt feilgebotene Körbe.

Darja fegt nach einem Pfiff zurück. Als kleiner Feigling bleibt sie solo auf meinen Pilzpirschs eher nahe.

Zugegeben, ich bin dieser Tage mal schon durch den Busch gehirscht, obwohl es auf dem Polenmarkt noch keine Pilze gab und auch keine Rentnerautos in Waldzufahrten standen. Man kennt ja so seine Stellen. Und weiß nach spätestens einem Kilometerchen: Das wird nix mit ner Riesenbeute im Korb. Aber Pilze wachsen immer. Zum Beispiel immer ein paar Perlpilze.

Gelegentliche Pilzsucher nehmen Perlpilze nicht. Die sehen ihnen zu giftig aus mit ihren Lamellen und den roten Fraßgängen für Maden. .

Dabei schmecken Perpilze ganz lecker. Und deren rote Fraßgänge, die sind das ganz eindeutige Unterscheidungsmerkmal gegen den giftigen Pantherpilz und/oder den essbaren grauen Wulstling. Nach der ersten Waldexkursion habe ich Perpilze heim gebracht.

Und die lecker zu Nudeln gebraten. Das war gestern. Wir leben noch. Also nur – falls einer von euch an braune Fliegenpilze denkt!